{"id":44085,"date":"2026-08-11T07:07:56","date_gmt":"2026-08-11T05:07:56","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=44085"},"modified":"2026-08-06T10:10:16","modified_gmt":"2026-08-06T08:10:16","slug":"haftung-neu-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=44085","title":{"rendered":"Haftung neu gedacht"},"content":{"rendered":"<div class=\"sw---NewsDetail__text\">\n<p>Mit dem Start des IGF-Forschungsvorhabens \u201eKombiHaft\u201c b\u00fcndeln das Kunststoff-Zentrum SKZ und das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM ihre komplement\u00e4ren Kompetenzen, um eine der zentralen Herausforderungen der Kunststoffverarbeitung neu zu denken: die zuverl\u00e4ssige und wirtschaftliche Beschichtung von Polyolefinen.<\/p>\n<div class=\"sw---NewsDetail__image\">\n<p class=\"sw---NewsDetail__image--description\">Im Forschungsprojekt &#8220;KombiHaft&#8221; werden innovative Verfahren entwickelt, um die Haftung auf Polyolefinen gezielt zu verbessern. (Foto: KI-generiert)<\/p>\n<\/div>\n<h3>Forschungsvorhaben \u201cKombiHaft\u201d startet: Neue Wege zur lackierfreundlichen Polyolefinoberfl\u00e4che im Spritzguss<\/h3>\n<p>Polyolefine wie Polypropylen und Polyethylen sind aufgrund ihrer hervorragenden mechanischen Eigenschaften, ihres g\u00fcnstigen Preisniveaus und ihrer vergleichsweise guten CO\u2082-Bilanz aus der industriellen Produktion nicht wegzudenken.<\/p>\n<p>Gleichzeitig stellen ihre unpolaren Oberfl\u00e4chen eine erhebliche H\u00fcrde f\u00fcr nachfolgende Lackier- und Beschichtungsprozesse dar. In der Praxis f\u00fchrt dies bislang zu kostenintensiven und \u00f6kologisch kritisch diskutierten Vorbehandlungsverfahren oder sogar zu materialseitigen Substitutionen, die sowohl wirtschaftliche als auch nachhaltigkeitsbezogene Nachteile mit sich bringen.<\/p>\n<p>Genau an diesem Punkt setzt das Projekt \u201cKombiHaft\u201d an \u2013 mit dem klaren Ziel, die Lackierbarkeit von Polyolefinen direkt im Spritzgie\u00dfprozess signifikant zu verbessern und damit bestehende Prozessketten grundlegend zu verschlanken.<\/p>\n<p><strong>Materialinnovationen treffen Prozessintelligenz<\/strong><br \/>\nDer innovative Ansatz des Vorhabens basiert auf der gezielten Kombination zweier bislang getrennt betrachteter L\u00f6sungsr\u00e4ume: materialseitiger Funktionalisierung und werkzeugseitiger Prozessf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Am Fraunhofer IFAM werden neuartige photoreaktive Haftvermittler entwickelt, die sich w\u00e4hrend des Spritzgie\u00dfprozesses gezielt an der Bauteiloberfl\u00e4che anreichern. Durch eine anschlie\u00dfende UV-Aktivierung werden diese in Form molekular d\u00fcnner Schichten stabil fixiert und erm\u00f6glicht so eine verbesserte Lackierbarkeit von Polyolefinoberfl\u00e4chen \u2013 ohne zus\u00e4tzliche nasschemische oder thermische Vorbehandlungsschritte.<\/p>\n<p>Dabei wird bewusst auf bekannte kritische Substanzklassen verzichtet; stattdessen stehen thermisch stabile, kosteneffiziente und toxikologisch unbedenkliche Molek\u00fcldesigns im Fokus.<\/p>\n<p>Parallel dazu werden am SKZ werkzeugtechnische Strategien entwickelt, die gezielt die Grenzschichtstruktur des Bauteils beeinflussen. Im Zentrum stehen dabei innovative Konzepte der aktiven und passiven Oberfl\u00e4chentemperierung, beispielsweise durch keramische Heizsysteme oder funktionelle Werkzeugbeschichtungen, sowie biomimetisch inspirierte Mikrostrukturierungen der Werkzeugoberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen wirken direkt auf das Formf\u00fcll- und Abk\u00fchlverhalten und damit auf die molekulare und morphologische Auspr\u00e4gung der Bauteiloberfl\u00e4che \u2013 zentrale Stellgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr die resultierende Adh\u00e4sion nachfolgender Lackier- und Beschichtungsprozesse.<\/p>\n<p>\u201eMit \u2018KombiHaft\u2019 verfolgen wir erstmals einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Materialchemie und Prozessf\u00fchrung nicht isoliert betrachtet, sondern gezielt miteinander verkn\u00fcpft werden\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Martin Wiesing, Projektleiter am Fraunhofer IFAM. \u201eGerade diese systematische Kopplung er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit, Adh\u00e4sionseigenschaften reproduzierbar und industriell robust einzustellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Inline-Aktivierung als Schl\u00fcssel zur Prozessrevolution<\/strong><br \/>\nEin wesentliches Ziel des Projekts besteht darin, die Aktivierung der Kunststoffoberfl\u00e4che direkt in den laufenden Spritzgie\u00dfprozess zu integrieren. Die Haftvermittler werden dabei als Additiv eingebracht, migrieren kontrolliert an die Bauteiloberfl\u00e4che und werden unmittelbar nach der Formgebung durch UV-Strahlung aktiviert.<\/p>\n<p>Dieser Inline-Ansatz verspricht einen Paradigmenwechsel: Aufw\u00e4ndige und an die angelieferte Bauteiloberfl\u00e4che anzupassende Prozessschritte wie Beflammen, Plasmaaktivierung oder Primerauftrag k\u00f6nnten zuk\u00fcnftig vollst\u00e4ndig entfallen. Neben einer deutlichen Reduktion von Kosten und Durchlaufzeiten ergeben sich daraus auch substanzielle Vorteile hinsichtlich Prozessstabilit\u00e4t, Ausschussreduzierung und Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p>\u201eUnser Ziel ist es, die Lackierbarkeit von Polyolefinen dorthin zu bringen, wo sie hingeh\u00f6rt: in den Spritzgie\u00dfprozess selbst\u201c, beschreibt Dr. Susanne Wintzheimer, Projektleiterin am SKZ, die Motivation hinter dem Vorhaben. \u201eWenn es gelingt, die notwendige Oberfl\u00e4chenfunktionalit\u00e4t bereits w\u00e4hrend der Formgebung einzustellen, entsteht ein enormer industrieller Hebel \u2013 insbesondere f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Relevanz f\u00fcr Industrie und Nachhaltigkeit<\/strong><br \/>\nDie wirtschaftliche und \u00f6kologische Bedeutung des Projekts ist erheblich. Durch den Wegfall externer Oberfl\u00e4chenvorbehandlungsschritte sowie die M\u00f6glichkeit, weiterhin kosteng\u00fcnstige Polyolefine anstelle teurerer Alternativmaterialien einzusetzen, werden signifikante Einsparpotenziale erwartet.<\/p>\n<p>Gleichzeitig reduziert sich der Einsatz emissionsintensiver Verfahren und kritischer Chemikalien \u2013 ein klarer Beitrag zu aktuellen regulatorischen Anforderungen und Nachhaltigkeitszielen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnet der entwickelte L\u00f6sungsansatz Perspektiven \u00fcber die klassische Lackierung hinaus, beispielsweise f\u00fcr Klebe-, Druck- oder Mehrkomponentenprozesse, bei denen die Oberfl\u00e4chenhaftung eine zentrale Rolle spielt.<\/p>\n<p><strong>Mitwirkung ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht<\/strong><br \/>\nDas Projekt \u201cKombiHaft\u201d ist auf zwei Jahre angelegt und lebt im Sinne der Industriellen Gemeinschaftsforschung vom engen Austausch mit der industriellen Praxis. Unternehmen entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 von Materialherstellern \u00fcber Verarbeiter bis hin zu Beschichtern und Anlagenbauern \u2013 sind ausdr\u00fccklich eingeladen, sich im projektbegleitenden Ausschuss zu engagieren.<\/p>\n<p>Die Teilnahme bietet die M\u00f6glichkeit, eigene Anforderungen einzubringen, fr\u00fchzeitig Zugang zu Ergebnissen zu erhalten und die Entwicklung einer potenziell disruptiven Technologie aktiv mitzugestalten. Die Mitwirkung im Ausschuss ist kostenfrei und unverbindlich.<\/p>\n<p><strong>F\u00f6rderung<\/strong><br \/>\nDas Forschungsvorhaben \u201eKombiHaft\u201c (F\u00f6rderkennzeichen 01IF25112N) wird im Rahmen des Programms Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) durch das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWE) gef\u00f6rdert. Die Projekttr\u00e4gerschaft erfolgt \u00fcber das Deutsche Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Start des IGF-Forschungsvorhabens \u201eKombiHaft\u201c b\u00fcndeln das Kunststoff-Zentrum SKZ und das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Fertigungstechnik&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":44086,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-44085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44085"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44087,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44085\/revisions\/44087"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/44086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44085"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=44085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}