{"id":44289,"date":"2026-09-16T06:46:21","date_gmt":"2026-09-16T04:46:21","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=44289"},"modified":"2026-09-10T09:47:40","modified_gmt":"2026-09-10T07:47:40","slug":"europaeische-kunststoffbranche-fordert-sofortmassnahmen-gegen-industriekrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=44289","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Kunststoffbranche fordert Sofortma\u00dfnahmen gegen Industriekrise"},"content":{"rendered":"<p>Die wirtschaftliche Lage der europ\u00e4ischen Kunststoff- und Kunststoffrecyclingindustrie bleibt angespannt. 28 Organisationen aus der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette fordern deshalb von der Europ\u00e4ischen Union ein Sofortprogramm zur St\u00e4rkung der heimischen Produktion und des Recyclings.<\/p>\n<p>Zu den Unterst\u00fctzern geh\u00f6rt auch bvse Recycling Germany. Im Mittelpunkt stehen ein besserer Schutz vor nicht gleichwertigen Importen, niedrigere Energiekosten, Investitionsanreize und eine st\u00e4rkere Nachfrage nach europ\u00e4ischen Rezyklaten.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Kunststoffwirtschaft warnt vor einem weiteren Verlust von Produktions- und Recyclingkapazit\u00e4ten. In einem gemeinsamen Appell haben Organisationen aus den Bereichen Kunststofferzeugung, Verarbeitung, Abfallwirtschaft und Recycling die europ\u00e4ischen Entscheidungstr\u00e4ger aufgefordert, kurzfristig Ma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der Wertsch\u00f6pfungskette einzuleiten.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser ist die anhaltende wirtschaftliche Schw\u00e4che der Branche. Nach Angaben der beteiligten Verb\u00e4nde sank die Kunststoffproduktion in Europa 2023 um 8,3 Prozent. Zugleich habe Europa in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung auf dem Weltmarkt verloren. Der europ\u00e4ische Anteil an der weltweiten Kunststoffproduktion sei von 22 Prozent im Jahr 2006 auf rund zw\u00f6lf Prozent zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Besonders angespannt ist die Situation im Kunststoffrecycling. Nach den zum Zeitpunkt des Branchenaufrufs vorgelegten Daten und Sch\u00e4tzungen drohte Europa seit Anfang 2023 bis Ende 2025 Recyclingkapazit\u00e4t von insgesamt fast einer Million Tonnen durch Werksschlie\u00dfungen zu verlieren. Die Verb\u00e4nde sehen dadurch nicht nur die industrielle Basis gef\u00e4hrdet, sondern auch die europ\u00e4ischen Ziele f\u00fcr Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz.<\/p>\n<p><strong>bvse unterst\u00fctzt gemeinsamen Branchenappell<\/strong><\/p>\n<p>An dem gemeinsamen Vorsto\u00df beteiligt sich auch bvse Recycling Germany. In der Liste der nationalen Organisationen, die den Appell unterst\u00fctzen, wird der bvse neben Recycling- und Kunststoffverb\u00e4nden aus zahlreichen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern aufgef\u00fchrt. Insgesamt haben 28 europ\u00e4ische und nationale Organisationen die Initiative getragen.<\/p>\n<p>Damit unterst\u00fctzt der deutsche Recyclingverband einen branchen\u00fcbergreifenden Ansatz: Die gegenw\u00e4rtigen Schwierigkeiten werden nicht allein als Problem der Recycler betrachtet, sondern als strukturelle Krise der gesamten europ\u00e4ischen Kunststoff-Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 von der Rohstoffproduktion \u00fcber die Verarbeitung bis zur Sammlung, Sortierung und Wiederaufbereitung von Kunststoffabf\u00e4llen.<\/p>\n<p><strong>Branche fordert faire Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr Rezyklate<\/strong><\/p>\n<p>Einen Schwerpunkt der Forderungen bildet der internationale Wettbewerb. Nach Einsch\u00e4tzung der Verb\u00e4nde geraten europ\u00e4ische Hersteller und Recycler zunehmend durch preisg\u00fcnstige Importe von Neuware und Rezyklaten aus Drittstaaten unter Druck.<\/p>\n<p>Die Branche fordert deshalb vergleichbare Anforderungen f\u00fcr importierte und in Europa hergestellte Materialien. F\u00fcr Importe von Kunststoffrezyklaten, Neuware und Kunststoffprodukten sollen nach Vorstellung der Unterzeichner sogenannte Spiegelma\u00dfnahmen beziehungsweise gleichwertige Mechanismen gelten. Damit soll verhindert werden, dass Materialien auf den europ\u00e4ischen Markt gelangen, die nicht den Umwelt-, Qualit\u00e4ts- oder sonstigen regulatorischen Anforderungen entsprechen, die europ\u00e4ische Produzenten erf\u00fcllen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollen Zollkontrollen und Markt\u00fcberwachung verbessert werden. Ein Kernproblem sieht die Branche darin, dass Herkunft und tats\u00e4chlicher Rezyklatanteil importierter Materialien bislang nicht immer ausreichend \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Nachfrage nach europ\u00e4ischen Recyclingkunststoffen st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n<p>Handelspolitische Ma\u00dfnahmen allein reichen nach Ansicht der Verb\u00e4nde jedoch nicht aus. Entscheidend sei, einen verl\u00e4sslichen Absatzmarkt f\u00fcr in Europa hergestellte Recyclingkunststoffe zu schaffen.<\/p>\n<p>Dazu sollen unter anderem Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung st\u00e4rker genutzt werden. \u00d6komodulierte Geb\u00fchren k\u00f6nnten so ausgestaltet werden, dass gut recyclingf\u00e4hige Produkte und der Einsatz von Rezyklaten wirtschaftlich st\u00e4rker honoriert werden.<\/p>\n<p>Damit greift der Branchenappell ein zentrales Problem der Recyclingwirtschaft auf: Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen rechnen sich langfristig nur, wenn f\u00fcr die erzeugten Sekund\u00e4rrohstoffe auch eine ausreichende und m\u00f6glichst stabile Nachfrage besteht.<\/p>\n<p>Die Unterzeichner fordern dar\u00fcber hinaus gezielte Investitionsanreize f\u00fcr Sammlung, Sortierung und Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen. Auch steuerliche Instrumente und andere finanzielle Anreize sollen gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p><strong>Hohe Energiekosten belasten Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer zentraler Punkt sind die Energiekosten. Die europ\u00e4ischen Kunststoff- und Recyclingunternehmen sehen sich gegen\u00fcber Wettbewerbern aus anderen Weltregionen teilweise mit deutlich h\u00f6heren Produktionskosten konfrontiert.<\/p>\n<p>Die Branche fordert deshalb einen besseren Zugang zu wettbewerbsf\u00e4higer Energie. Recycling, Compoundierung und Kunststoffverarbeitung m\u00fcssten bei industriepolitischen Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig kritisieren die Organisationen regulatorische Unsicherheiten, b\u00fcrokratische Belastungen und eine innerhalb der EU teilweise unterschiedliche Umsetzung bestehender Vorschriften. Genehmigungsverfahren und administrative Anforderungen sollten vereinfacht und EU-Regelungen in den Mitgliedstaaten einheitlicher umgesetzt und durchgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Sechs Handlungsfelder f\u00fcr Br\u00fcssel<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderungen lassen sich im Kern auf sechs Handlungsfelder zusammenfassen: faire Wettbewerbsbedingungen gegen\u00fcber Importen, wettbewerbsf\u00e4hige Energiekosten, eine bessere Kontrolle und Durchsetzung bestehender Regeln, weniger regulatorische Fragmentierung innerhalb Europas, bessere Bedingungen f\u00fcr Investitionen und Innovationen sowie eine Weiterentwicklung der erweiterten Herstellerverantwortung.<\/p>\n<p>Dabei geht es den beteiligten Verb\u00e4nden nicht nur um den Schutz bestehender Unternehmen. Sie warnen davor, dass bei einem weiteren Abbau europ\u00e4ischer Recyclingkapazit\u00e4ten auch die Umsetzung der europ\u00e4ischen Kreislaufwirtschaftspolitik schwieriger werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Denn steigende Vorgaben f\u00fcr Rezyklateinsatz und Recyclingquoten setzen entsprechende Sortier- und Aufbereitungskapazit\u00e4ten voraus. Wenn diese Kapazit\u00e4ten aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden aus Europa verschwinden, k\u00f6nnte die Abh\u00e4ngigkeit von Importen weiter wachsen.<\/p>\n<p><strong>Recycling wird zur industriepolitischen Frage<\/strong><\/p>\n<p>Der gemeinsame Appell macht damit deutlich, dass Kunststoffrecycling zunehmend nicht nur als umweltpolitisches, sondern auch als industriepolitisches Thema betrachtet wird. Die Branche verbindet Kreislaufwirtschaft mit Fragen der europ\u00e4ischen Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Rohstoffversorgung und strategischen Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Die Unterzeichner warnen, dass ohne kurzfristige Gegenma\u00dfnahmen weitere Unternehmensschlie\u00dfungen und Arbeitsplatzverluste drohen k\u00f6nnten. Zugleich w\u00fcrden bereits get\u00e4tigte Investitionen in Recyclingtechnologien und Kreislaufwirtschaft gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>F\u00fcr die EU ergibt sich daraus ein Zielkonflikt: Einerseits steigen mit Verpackungsverordnung und weiteren Regelwerken die Anforderungen an Recycling und Rezyklateinsatz. Andererseits stehen die Unternehmen, die die daf\u00fcr notwendigen Sekund\u00e4rrohstoffe herstellen sollen, unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.<\/p>\n<p>Aus Sicht der beteiligten Verb\u00e4nde muss die europ\u00e4ische Kreislaufwirtschaftspolitik deshalb st\u00e4rker mit der Industrie- und Wettbewerbspolitik verzahnt werden. Ein funktionierender Kunststoffkreislauf setzt demnach nicht nur ambitionierte Recyclingziele voraus, sondern auch wirtschaftlich tragf\u00e4hige Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die in Europa produzierten Rezyklate.<\/p>\n<p><strong>Zum Herunterladen:<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bvse.de\/dateien2020\/2-PDF\/01-Nachrichten\/03-Kunststoff\/2026\/Industry-Call-for-Urgent-Action-to-Strengthen-Europes-Plastics-Value-Chain-1.pdf\">Branchenschreiben an die EU-Kommission<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wirtschaftliche Lage der europ\u00e4ischen Kunststoff- und Kunststoffrecyclingindustrie bleibt angespannt. 28 Organisationen aus der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6837,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-44289","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44289"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44289\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44290,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44289\/revisions\/44290"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44289"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=44289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}