{"id":44565,"date":"2026-10-19T06:40:18","date_gmt":"2026-10-19T04:40:18","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=44565"},"modified":"2026-10-14T22:45:52","modified_gmt":"2026-10-14T20:45:52","slug":"plastiksteuer-bedroht-industriellen-mittelstand-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=44565","title":{"rendered":"Plastiksteuer bedroht industriellen Mittelstand in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) warnt vor der vom Bundesfinanzministerium (BMF) geplanten Steuer auf Kunststoffverpackungen. Dem Entwurf zufolge soll ab dem 1. Juli 2027 auf Folien sowie bestimmte industrielle Vorprodukte und Verpackungsmittel je Tonne Kunststoff 550 Euro anfallen. Nach Berechnungen des GKV w\u00fcrde die Steuer viele mittelst\u00e4ndische Betriebe in ihrer Existenz bedrohen und bis zu 40.000 Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland kosten. Der Verband appelliert an die Bundesregierung, dem Vorschlag nicht zuzustimmen.<\/p>\n<p>Steuerpflichtig ist nach dem Entwurf, wer in Deutschland Folien, diverse d\u00fcnnwandige industrielle Halbzeuge sowie bestimmte Transport- und Verpackungsmittel aus Kunststoff oder mit Kunststoffanteil herstellt \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob daraus sp\u00e4ter Verpackungen werden. Die Steuer ist auch nicht auf Konsumverpackungen be-schr\u00e4nkt, sondern betrifft auch Industrie- und Gewerbeverpackungen sowie Mehrwegl\u00f6sungen. Der Steuersatz von 550 Euro je Tonne entspricht etwa 30 Prozent des Materialpreises. Je nach Materialanteil werden Verpackungen damit um 20 bis 50% teurer. Die Kosten daf\u00fcr tr\u00e4gt der Endverbraucher \u2013 das ist im Vorschlag ausdr\u00fccklich vorgesehen.<\/p>\n<p><strong>Steuer benachteiligt deutsche Unternehmen<\/strong><br \/>\n\u201eDie Plastiksteuer trifft einseitig Unternehmen, die in Deutschland Verpackungsmate-rialien aus Kunststoff produzieren und damit auch ihre Kunden, w\u00e4hrend verpackte Importware steuerfrei bleibt. Ein in Deutschland abgef\u00fcllter Joghurt w\u00e4re beispielsweise steuerpflichtig, ein importierter Joghurt aus dem Ausland nicht. Deutsche Her-steller und Abf\u00fcller zahlen damit auch f\u00fcr die Verpackungsabf\u00e4lle importierter Waren. Das ist Sabotage am Wirtschaftsstandort Deutschland\u201c, kritisiert Georg Pescher, Vizepr\u00e4sident des GKV und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ALPLA &#8211; Werke Lehner GmbH &amp; Co KG.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Hersteller w\u00fcrde die Steuer etwa 20 Prozent seines Umsatzes und rund 40 Prozent seiner Wertsch\u00f6pfung ausmachen. Die Steuer ist monatlich an-zumelden und am 20. des Folgemonats f\u00e4llig, lange bevor Kunden ihre Rechnungen bezahlen. \u201eKaum ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen kann eine solche Last vorfinan-zieren. Nach den R\u00fcckmeldungen aus dem Mitgliederkreis gehen wir davon aus, dass viele Unternehmen durch die Steuer unmittelbar in ihrer Existenz gef\u00e4hrdet sind\u201c, so Pescher. \u201eDie Plastiksteuer gef\u00e4hrdet bis zu 40.000 Arbeitspl\u00e4tze im Mittelstand und kostet die \u00f6ffentlichen Kassen am Ende mehr, als sie einbringt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Volkswirtschaftlich ein Verlustgesch\u00e4ft<\/strong><br \/>\nNach Berechnungen des GKV summieren sich Arbeitslosengeld und entfallende So-zialbeitr\u00e4ge aufgrund der Arbeitsplatzverluste auf rund 1,44 Milliarden Euro pro Jahr \u2013 und damit in etwa auf die H\u00f6he der erwarteten Einnahmen. Hinzu kommen Ausf\u00e4lle bei Gewerbe-, K\u00f6rperschaft- und Lohnsteuer. Der GKV h\u00e4lt die Aufkommenssch\u00e4t-zung des BMF zudem f\u00fcr zu hoch, weil auch die Verpackungen der importierten Waren mit eingerechnet wurden, und erwartet h\u00f6chstens 1 Milliarde Euro.<\/p>\n<p><strong>Aufw\u00e4ndig und kaum kontrollierbar<\/strong><br \/>\nF\u00fcr den Vollzug sieht der Entwurf 788 neue Stellen beim Zoll vor \u2013 Experten gehen von bis zu 2.000 neuen Stellen aus. Dadurch w\u00fcrden die Vollzugskosten von mehr als 100 Mio. Euro auf etwa 250 Mio. Euro steigen. Gleichwohl sind nur rund 900 Au\u00dfenpr\u00fcfungen auf rund 47.175 Anzeigen pro Jahr vorgesehen. Rechnerisch k\u00e4me eine Pr\u00fcfung nur etwa alle 50 Jahre auf ein Unternehmen zu.<\/p>\n<p>\u201eTrotz des enormen Vollzugsaufwands wird die Steuer kaum kontrollierbar sein, weil sie auf der Selbstanzeige des Steuerpflichtigen beruht. F\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Wa-renstr\u00f6me, den Bezug aus der EU, fehlt jeder Kontrollpunkt an der Grenze. Es droht ein strukturelles Vollzugsdefizit zulasten inl\u00e4ndischer Hersteller\u201c, sagt Hendrik Johannink, Vizepr\u00e4sident des GKV und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Ringoplast GmbH.<\/p>\n<p><strong>\u00d6komodulierung statt Plastiksteuer<\/strong><br \/>\nEine Steuer, die heimische Hersteller und Abf\u00fcller belastet, Importe beg\u00fcnstigt und kaum kontrolliert werden kann, verfehlt aus Sicht des GKV ihr fiskalisches wie ihr \u00f6kologisches Ziel. Wirksamer und g\u00fcnstiger w\u00e4re es, Recyclingf\u00e4higkeit und Rezyklateinsatz \u00fcber eine \u00d6komodulierung der Lizenzentgelte im k\u00fcnftigen Verpackungs-durchf\u00fchrungsgesetz zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) warnt vor der vom Bundesfinanzministerium (BMF) geplanten Steuer auf Kunststoffverpackungen. Dem Entwurf zufolge soll ab dem 1. 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