{"id":44631,"date":"2026-10-30T06:39:20","date_gmt":"2026-10-30T05:39:20","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=44631"},"modified":"2026-10-22T10:40:23","modified_gmt":"2026-10-22T08:40:23","slug":"ki-in-der-ingenieurausbildung-berufspraxis-und-hochschullehre-driften-auseinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=44631","title":{"rendered":"KI in der Ingenieurausbildung: Berufspraxis und Hochschullehre driften auseinander"},"content":{"rendered":"<p><strong>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) geh\u00f6rt inzwischen zum Lehralltag in den Ingenieur-wissenschaften. Gleichzeitig sind KI-Kompetenzen bislang kaum sichtbar in den Modulhandb\u00fcchern der Studieng\u00e4nge verankert. Der VDMA fordert, dass sowohl Curricula als auch die Lehrmethoden mit dem technischen Fortschritt Schritt halten m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert die Inhalte und Lehrmethoden der Ingenieurausbildung mit hoher Geschwindigkeit. Das zeigt eine Hochschulbefragung, an der sich 315 Lehrende der Ingenieurwissenschaften beteiligt haben. Die vom Forschungsinstitut FIR an der RWTH Aachen im Auftrag der IMPULS-Stiftung des VDMA durchgef\u00fchrte Befragung verdeutlicht: KI ist in der Lehre bereits breit angekommen. Gut 8 von 10 Lehrenden nutzen KI-Werkzeuge. Besonders h\u00e4ufig kommen die Anwendungen bei der Informationsrecherche, der eigenen Weiterbildung sowie bei der Erstellung von Lehrmaterialien zum Einsatz. Gleichzeitig besch\u00e4ftigen sich 77 Prozent der Befragten aus eigenem Antrieb mit KI.<\/p>\n<p>Die Befragung zeigt zugleich, dass die strategische, curriculare und organisatorische Verankerung von KI an den Hochschulen mit dieser Entwicklung vielfach noch nicht Schritt h\u00e4lt. W\u00e4hrend 66 Prozent der Lehrenden KI-Kompetenzen ausdr\u00fccklich in Curricula verankern m\u00f6chten, sehen lediglich 19 Prozent diese bereits sichtbar in den Modulhandb\u00fcchern ihrer Studieng\u00e4nge abgebildet. Modulhandb\u00fccher legen fest, was Studierende lernen sollen, wie gelehrt wird und wie die Leistungen gepr\u00fcft werden. Zudem erkennen 54 Prozent keine klare strategische Richtung ihrer Hochschule f\u00fcr den Umgang mit KI in Studium und Lehre. Damit fehlt vielerorts noch der institutionelle Rahmen f\u00fcr eine nachhaltige Integration von KI.<\/p>\n<p><strong>Praxis und Curricula driften auseinander<\/strong><br \/>\n82 Prozent der Lehrenden erwarten, dass sich die beruflichen Aufgaben in ihren Fachgebieten durch KI grundlegend ver\u00e4ndern werden. Rund die H\u00e4lfte der Befragten nimmt bereits heute eine L\u00fccke zwischen den Anforderungen der Berufspraxis und den Inhalten der Hochschullehre wahr. 61 Prozent w\u00fcnschen sich deshalb, dass Studierende deutlich h\u00e4ufiger mit realit\u00e4tsnahen KI-Anwendungsf\u00e4llen aus Unternehmen arbeiten.<\/p>\n<p>\u201eDas Ingenieurstudium muss mit der immensen technologischen Geschwindigkeit Schritt halten, sonst werden wir bei KI als erfolgskritischer Schl\u00fcsseltechnologie abgeh\u00e4ngt\u201c, sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hartmut Rauen anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der Befragungsergebnisse. \u201eWir brauchen schnell neue, praxis- und industrienahe Kompetenzprofile f\u00fcr eine zukunftssichere Ingenieurausbildung, die an den Hochschulen dann aber auch breit verankert werden m\u00fcssen\u201c, so Rauen. \u201eDie Hochschulen d\u00fcrfen sich dabei nicht selbst \u00fcberlassen bleiben \u2013 auch die Hochschulpolitik ist jetzt gefordert.\u201c<\/p>\n<p><strong>Pr\u00fcfungen und Lernqualit\u00e4t stehen unter Anpassungsdruck<\/strong><br \/>\nDie Befragung macht deutlich, dass KI auch grundlegende Fragen von Lernen und Pr\u00fcfen aufwirft. Nahezu alle Lehrenden sehen einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI als wichtiges Ausbildungsziel. Gleichzeitig bef\u00fcrchten 88 Prozent, dass KI ohne geeignete didaktische Begleitung zu oberfl\u00e4chlicherem Lernen beitragen kann. Drei Viertel der Befragten sehen zudem Risiken f\u00fcr die eigenst\u00e4ndige Probleml\u00f6sef\u00e4higkeit von Studierenden.<\/p>\n<p>Besonders gro\u00df ist der Ver\u00e4nderungsdruck im Pr\u00fcfungswesen. 78 Prozent der Lehrenden halten Anpassungen bestehender Pr\u00fcfungsformate f\u00fcr erforderlich. Mehr als die H\u00e4lfte berichtet bereits von zunehmenden Schwierigkeiten bei der fairen Bewertung studentischer Eigenleistungen. Gleichzeitig kommunizieren 4 von 5 Lehrenden eigene Regeln f\u00fcr den Einsatz von KI in Pr\u00fcfungen, m\u00fcssen die vorherrschende Regelungsl\u00fccke also selbst schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Klare Rahmenbedingungen schaffen<\/strong><br \/>\n\u201eDie Integration von KI wird derzeit vor allem von Motivation und Engagement einzelner Lehrender getragen\u201c, betont Regina Schrank, Leiterin des Forschungsbereichs Dienstleistungsmanagement des FIR an der RWTH Aachen und Mitglied des Studienteams. \u201eDamit daraus ein tragf\u00e4higes System werden kann, sind Hochschulleitungen, Fakult\u00e4ten und Lehrende gefordert, klare Strategien und Leitlinien zu entwickeln, Qualifizierung und zeitliche Ressourcen bereitzustellen, Pr\u00fcfungsformate weiterzuentwickeln und KI-Kompetenzen curricular zu verankern.\u201c<\/p>\n<p>Gleichzeitig besteht ausweislich der Befragung erheblicher Qualifizierungsbedarf: Zwar trauen sich knapp 83 Prozent der Lehrenden zu, Fehler von KI-Systemen einzusch\u00e4tzen, jedoch \u00a0lediglich 54 Prozent f\u00fchlen sich im praktischen Umgang mit den Werkzeugen sicher. Die Studie zeigt: Wer nur eine Fortbildung besucht hat, berichtet von mehr Unsicherheit als Lehrende ganz ohne Fortbildung. Erst bei mehrfacher Teilnahme an Fort- und Weiterbildung im Bereich KI sinkt die Unsicherheit deutlich und erst dann liegen auch KI-Kompetenz und Motivation sp\u00fcrbar h\u00f6her.<\/p>\n<p>Zu den Empfehlungen des FIR-Studienteams geh\u00f6ren eine kontinuierliche Qualifizierung, transparente KI-Strategie f\u00fcr Studium und Lehre, rechtssichere Rahmenrichtlinien f\u00fcr KI in Pr\u00fcfungen sowie eine \u201ePraxispartnerschaft\u201c zwischen Hochschulen und Unternehmen. \u201eDie kommenden Jahre werden dar\u00fcber entscheiden, ob es gelingt, die bereits gelebte Praxis und das beeindruckende individuelle Engagement vieler Lehrenden in tragf\u00e4hige Strukturen zu \u00fcberf\u00fchren\u201c, sagt Rauen. \u201eWir m\u00fcssen die Ingenieurausbildung konsequent an den Anforderungen einer digitalen und KI-gest\u00fctzten Industrie ausrichten.\u201c<\/p>\n<p>Die Befragung ist Bestandteil eines Zwischenberichts zur Studie \u201eKI in der Ingenieurausbildung\u201c der IMPULS-Stiftung des VDMA. Zum Zwischenbericht gelangen Sie <a href=\"https:\/\/www.vdma.eu\/documents\/d\/group-34568\/impuls_ergebnisbericht_ki-in-der-ingenieurausbildung\">hier<\/a>. Die Gesamtstudie ber\u00fccksichtigt sowohl die Hochschul- als auch die Unternehmensperspektive. Sie untersucht, welche KI-bezogenen Kompetenzen Absolventinnen und Absolventen beim \u00dcbergang in die Berufspraxis mitbringen sollten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) geh\u00f6rt inzwischen zum Lehralltag in den Ingenieur-wissenschaften. 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