{"id":7968,"date":"2018-07-11T12:22:23","date_gmt":"2018-07-11T10:22:23","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=7968"},"modified":"2018-07-11T12:22:23","modified_gmt":"2018-07-11T10:22:23","slug":"mikroplastik-ueberall-und-in-grossen-mengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=7968","title":{"rendered":"Mikroplastik \u2013 \u00fcberall und in gro\u00dfen Mengen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fhg-grid-item fhg-grid-3-2-1 fhg-content heading\">\n<p class=\"text-meta\">\n<\/div>\n<div class=\"fhg-grid-item fhg-grid-3-2-1 fhg-content\">\n<p><b>Gerade in den Sommerferien geht es f\u00fcr Millionen von Urlaubern wieder an die sch\u00f6nsten Str\u00e4nde. Dorthin, wo trotz aller Idylle leider auch die Verm\u00fcllung durch Plastikabf\u00e4lle besonders pr\u00e4sent ist. Bei genauerem Hinschauen l\u00e4sst sich Mikroplastik zwischen Sand und Muscheln entdecken. Doch woher stammen die kleinen Kunststoffpartikel? Welche Mengen werden j\u00e4hrlich in Deutschland emittiert? Diese Fragen standen u. a. im Fokus der \u00bbKonsortialstudie Mikroplastik\u00ab. Im Auftrag von Partnern aus der Kunststoffindustrie, Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Forschung hat Fraunhofer UMSICHT die letzten zwei Jahre den Wissensstand zu Mikro- und Makroplastik zusammengetragen. Eine Kurzfassung der Studie mit Fazits und Empfehlungen ist ab sofort kostenfrei erh\u00e4ltlich.<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"fhg-content-article fhg-grid\">\n<article>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"fhg-grid-item fhg-grid-3-2-1 fhg-inline-image\">\n<div class=\"fhg-content fhg-richtext\">\n<p>Mikroplastik ist nicht immer direkt zu erkennen, man muss den Blick schon etwas sch\u00e4rfen. Doch dann kommen sie nahezu \u00fcberall zum Vorschein: Kunststoffpartikel, kleiner als 5 mm. So zumindest die weit verbreitete Definition. Allgemeing\u00fcltig ist sie jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig: \u00bbEs ist schwierig, den regulatorischen, wissenschaftlichen und kommunikativen Anspr\u00fcchen gemeinsam gerecht zu werden. Durch die Abgrenzung der Gr\u00f6\u00dfe und Einschr\u00e4nkung auf spezielle Kunststoffe oder Einsatzgebiete wird eine Grenze gezogen, die unter Umst\u00e4nden Problembereiche ungerechtfertigt ein- oder ausschlie\u00dft. Eine Definition sollte vielmehr anhand der Umweltwirkung festgemacht werden. Doch dazu reicht der heutige Wissensstand nicht aus\u00ab, erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Bertling aus der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement beim Fraunhofer UMSICHT, Initiator und Haupt-Autor der \u00bbKonsortialstudie Mikroplastik\u00ab.<\/p>\n<h4><b>Kategorisierung von Mikroplastik<\/b><\/h4>\n<p>Im Rahmen der Studie erfolgte zun\u00e4chst eine neue Kategorisierung von Mikroplastik: Prim\u00e4res Mikroplastik Typ-A sind industriell hergestellte Kunststoffpartikel, deren Verlust bewusst in Kauf genommen oder durch Unachtsamkeit verursacht wird. Hierzu z\u00e4hlen z. B. Microbeads in Kosmetika oder Kunststoffpellets. Dagegen entsteht prim\u00e4res Mikroplastik Typ-B erst in der Nutzungsphase durch Abrieb oder Verwitterung. Das ist etwa bei Autoreifen, Schuhsohlen, Textilien oder Farben der Fall. Gelangen Kunststoffabf\u00e4lle, haupts\u00e4chlich Verpackungen, Plastikt\u00fcten oder Flaschen \u2013 sogenanntes Makroplastik \u2013, in die Umwelt und fragmentieren dort, werden sie dem sekund\u00e4ren Mikroplastik zugeordnet. Diese Einteilung ist insbesondere bei der Zuweisung von Verantwortung wichtig. Je nach Quelle liegt sie mehr beim Produzenten oder beim Konsumenten.<\/p>\n<h4><b>Kunststoffemissionen bestehen in Deutschland zu 74 Prozent aus Mikroplastik<\/b><\/h4>\n<p>Die Autoren der Konsortialstudie ermittelten insgesamt 51 Mikroplastikquellen und berechneten die Emissionen. Reifenabrieb, Freisetzung bei der Abfallentsorgung, Abrieb von Bitumen in Asphalt, Pelletverluste, Verwehungen von Sport- und Spielpl\u00e4tzen liegen ganz vorne. Die Freisetzung von Mikroplastik aus Kosmetik etwa gelangt auf Platz 17. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass die Reduzierung von Emissionen aus jeder Quelle wichtig ist. Weitere Faktoren wie Abbaubarkeit oder Kunststoffadditive spielen bei der Wirkung auf die Umwelt ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle und sollten daher bei der Priorisierung der Quellen ber\u00fccksichtigt werden. Geht man davon aus, dass es noch weitere Quellen gibt, so ergibt sich f\u00fcr Deutschland eine Gesamtmenge von gut 4 kg pro Kopf<sup>[1]<\/sup>, die j\u00e4hrlich an Mikroplastik in die Umwelt freigesetzt wird. Dagegen betragen die Emissionen an Makroplastik nur etwa 1,4 kg pro Kopf und Jahr<sup>[1]<\/sup>. Das, was wir an Plastikm\u00fcll an Rastst\u00e4tten, in Parks und am Strand finden, ist also der sichtbare, aber weitaus kleinere Teil von Kunststoffen in der Umwelt.<\/p>\n<h4><b>Auf Kosten des Kl\u00e4rschlamms<\/b><\/h4>\n<p>Die Siedlungswasserwirtschaft spielt bei der Emission von Kunststoffen in die Umwelt eine wichtige Rolle, sowohl als Eintragspfad als auch f\u00fcr den R\u00fcckhalt. Etwa 78 Prozent des Abwassers werden innerhalb der Siedlungswasserwirtschaft durch Kl\u00e4ranlagen gereinigt. Die restlichen 22 Prozent, \u00fcberwiegend Niederschlagswasser, werden nur teilweise gereinigt, sodass mit den Niederschl\u00e4gen Makro- und Mikroplastik in die \u00d6kosysteme gesp\u00fclt werden. Kl\u00e4ranlagen halten je nach technischer Ausstattung \u00fcber 95 Prozent des zustr\u00f6menden Mikroplastiks zur\u00fcck. \u00bbDer hohe R\u00fcckhalt der Kl\u00e4ranlagen geht jedoch auf Kosten des Kl\u00e4rschlamms, in dem sich die kleinteiligen Kunststoffe anreichern. Hier muss im Einzelfall gepr\u00fcft werden, ob eine vollst\u00e4ndige Verbrennung des Kl\u00e4rschlamms der landwirtschaftlichen und landschaftsbaulichen Nutzung vorzuziehen ist, um eine Weiterverbreitung von Mikroplastik in der Umwelt und somit eine Problemverlagerung zu verhindern\u00ab, sagt Ralf Bertling, Abteilung Photonik und Umwelt beim Fraunhofer UMSICHT, der sich im Rahmen der Studie der Siedlungswasserwirtschaft gewidmet hat. Der Co-Autor weiter: \u00bbAuch ist die Siedlungswasserwirtschaft \u201amehr als Kl\u00e4ranlagen\u2018. Dem Typus des Entw\u00e4sserungssystems \u2013 Trenn- oder Mischsystem \u2013 und ebenso der Niederschlagsentw\u00e4sserung inner- und noch mehr au\u00dferorts sollte viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Durch Regen und andere Wettereignisse werden z. B. Reifenabrieb oder Kunststoffabf\u00e4lle nicht nur in die Kanalisation, sondern nahezu \u00fcberall hin gesp\u00fclt.\u00ab Vor allem au\u00dferorts werde nicht jeder Liter Regen behandelt, sondern flie\u00dfe besonders bei Starkregen h\u00e4ufig ungereinigt, direkt oder indirekt, dem n\u00e4chsten Gew\u00e4sser zu.<\/p>\n<h4><b>Kunststoffen einen Wert geben<\/b><\/h4>\n<p>Die Ergebnisse der Studie wurden am 21. Juni 2018 in Berlin vorgestellt und im Anschluss mit Konsortialpartnern, Experten und Zuschauern diskutiert. Wichtig war es den Autoren, auch L\u00f6sungswege aufzuzeigen, Fazits zu ziehen und Empfehlungen zu geben. \u00bbKunststoffen einen Wert geben\u00ab war einer der am h\u00e4ufigsten betonten Aspekte auf der Veranstaltung.<\/p>\n<p>\u00bbWir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass sich Mikroplastik bereits in allen Bereichen der Umwelt befindet. Das ergibt sich schlichtweg daraus, dass wir \u00fcberall Kunststoffe einsetzen und die Emissionen \u00fcber Wind und Wasser verbreitet werden. Es ist also kein Wunder, wenn wir Mikroplastik in der Luft, im Trinkwasser oder in Nahrungsmitteln finden\u00ab, so Leandra Hamann, Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement beim Fraunhofer UMSICHT und ebenfalls Co-Autorin der Studie. Auch wenn sich bisher noch kein konkretes Gefahrenpotential zeigt, so sind sich die Beteiligten einig, dass die Kunststoffe in der Umwelt reduziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Neben dem Ausbau der Kreislaufwirtschaft, Verboten von bestimmten Produkten, der Entwicklung neuer Filtersysteme und der Anpassung der Siedlungswasserwirtschaft kann auch jeder selbst etwas tun: \u00bbWenn man eh unterwegs ist, einfach mal herumliegenden M\u00fcll aufheben und in den n\u00e4chsten M\u00fclleimer entsorgen Das geht besonders gut im Urlaub, wo in der Regel mehr Zeit vorhanden und der Blick f\u00fcr die Umgebung intensiver ist. Aber auch im Alltag ist das bereits selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr mich.\u00ab Neben der Entfernung des M\u00fclls geht es Hamann besonders darum, auf das Problem aufmerksam zu machen und andere dazu anzuregen, ebenfalls t\u00e4tig zu werden.<\/p>\n<h4><b>Mikroplastik und Fraunhofer UMSICHT<\/b><\/h4>\n<p>Seit 2014 besch\u00e4ftigt sich die AG Mikroplastik beim Fraunhofer UMSICHT mit Mikroplastik und Kunststoffen in der Umwelt. Derzeit laufen Projekte zur Bewertung von Mikroplastik mittels \u00d6kobilanzierung, zur Erstellung eines Modells zu Mengen und Verbreitung von Reifenabrieb, zur Entwicklung eines Waschmaschinenfilters zum R\u00fcckhalt von Mikroplastik sowie zu den Folgen von Kunststoffen auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen. Ein weiterer Bericht zu Mikroplastik in Kosmetik, Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln in Kooperation mit der Bundesgesch\u00e4ftsstelle des NABU e. V. erscheint im Juli 2018.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Quelle: Fraunhofer Umsicht<\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade in den Sommerferien geht es f\u00fcr Millionen von Urlaubern wieder an die sch\u00f6nsten Str\u00e4nde. 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