Gemeinsame Untersuchungen der FH Münster mit der BRT HARTNER GmbH liefern wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung des Brandschutzes in Sortieranlagen für Leichtverpackungen (LVP). Im Rahmen der Bachelorarbeit von Herrn Finn-Luca Röll wurden wertvolle Hinweise darauf gewonnen, dass der Einsatz eines Sacköffners für die Materialaufgabe in den nachfolgenden Prozess einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Brandgefahr leisten kann.
Erheblich Reduktion der durchschnittlich üblichen Brandereignisse
Die Auswertung ergab, dass Sacköffner die falsch aufgegebenen Lithium-Ionen-Akkus und Batterien kaum beschädigten, weshalb es seltener zu einer gefährlichen Wärmeentwicklung kommt. Untersucht wurden dazu Daten aus insgesamt elf Sortieranlagen für Leichtverpackungen aus dem Dualen System Deutschland (DSD) – vier der Anlagen nutzten dabei Sacköffner und die sieben anderen eine Vorzerkleinerung am Anfang der Aufbereitung. Bei den vier Anlagen mit Sacköffner gab es im Dreischichtbetrieb maximal 3 bis 4 Wärmedetektionen im Monat. In sechs der anderen Anlagen waren es dagegen mit im Schnitt 3 Detektionen am Tag ein zwanzigmal so hoher Wert. Die siebte Anlage erwies sich aufgrund der Haus- und Restmüllsammlung als nicht mit den anderen Anlagen vergleichbar. „Unser BRT HARTNER BO Sacköffner sind auf ein schonendes Aufreißen und Entleeren der Säcke ausgelegt,“ erklärt Steffen Simonsen. Er ist Area Sales Manager bei BRT HARTNER und betreute die Abschlussarbeit als Zweitprüfer. „Das Material an sich wird bewusst so behandelt, dass es weitestgehend intakt an die folgenden Sortierprozesse weitergeleitet wird.“ Gerade für Anlagenbetreiber, welche in kostenintensive Röntgensysteme oder optische Sortierer zur gezielten Ausschleusung von Akkus oder Batterien investierten, sieht er hier einen klaren Mehrwert: „Diese Systeme stehen nach der Materialaufgabe – das heißt, dass ohne schonende Sacköffnung bereits ein erhebliches Brandpotenzial besteht, bevor die Akkus und Batterien überhaupt von den Maschinen aussortiert werden können. Erst die Vorschaltung eines Sacköffners ermöglicht hier echte Effizienz und höchste Sicherheit.“
Vergleich von Aufgabeeinheiten in Sortieranlagen von Leichtverpackungen
Die Bachelorarbeit von Röll beschäftigt sich dem Titel gemäß eigentlich mit einem allgemeinen »Vergleich von Aufgabeeinheiten in Sortieranlagen von Leichtverpackungen« und wurde von Prof. Dr.-Ing. Sören Weinrich als Erstprüfer begleitet. Die Datenerhebung führte Röll im Zuge eines Praktikums bei BRT HARTNER durch. Das Unternehmen hatte die Forschungsarbeit auch angestoßen: „Das Thema ist gesellschaftlich relevant, da die Brände die Entsorgungssicherheit und damit unsere Infrastruktur gefährden. Wir hatten daher gehofft, dass sich die FH Münster der Sache annimmt und waren gespannt auf die Ergebnisse. Bei über 800 weltweit verkauften Sacköffnern ist uns immerhin noch kein Fall bekannt, bei dem eine dieser Maschinen Auslöser für einen Brand in einer Anlage gewesen ist,“ führt Simonsen aus. Außerdem sei das Unternehmen im Vorfeld von einem DSD-Anlagenbetreiber in Deutschland darauf angesprochen worden, dass sich seit der Einführung einer automatischen Temperaturdetektion und der systematischen Dokumentation der gemessenen Ereignisse eine starke Diskrepanz zwischen Anlagen mit Sacköffnung und Vorzerkleinerung aufgezeigt hätte. Zu näheren Untersuchung war das Unternehmen dann an die Fachhochschule herangetreten. Simonsen begründet den Schritt mit einer besseren Kundenberatung: „Wir bieten sowohl Sacköffner als auch Vorzerkleinerer an. Beide Technologien verfügen dabei über ihre anwendungsspezifischen Vorteile. Die Arbeit von Herrn Röll hat uns viele wertvolle Informationen geliefert, die wir in unsere künftigen Kundenberatungen einfließen lassen werden. Wir sind im sehr dankbar für seine objektive Analyse. Darüber hinaus haben die Untersuchungen wichtige Erkenntnisse über die Durchsatzleistung und Öffnungsquote der neuen Generation unserer Sacköffner gebracht. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.“
Brände als wachsendes Problem für Branche
In den letzten Jahren hat die Zahl der Brände innerhalb des Recyclingsektors weltweit rasant zugenommen. Laut Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) gehen der Verband und der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. (BDE) allein in Deutschland von rund 30 Bränden pro Tag aus.1 Neben der akuten Gefahr für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet diese Entwicklung eine enorme ökomische Belastung für die Branche: Entsorgungshöfe und Anlagen stehen nach den Bränden still, Chargen werden durch das Feuer vernichtet, Lieferausfälle erschweren die Planbarkeit und Transportunternehmen verweigern die Annahme bestimmter waren. Als größte Herausforderung erweisen sich jedoch für viele die steigenden Versicherungskosten. Auslöser sind die stetig wachsenden Mengen an in Umlauf gebrachten Lithium-Ionen-Akkus und Batterien, welche wiederum mit einer entsprechenden Zunahme an Fehlwürfen einhergeht.
Weiterführende Informationen
Zu 1: bvse Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026











