22.000 Objekte, 40 Jahre Engagement: Das Deutsche Kunststoffmuseum bewahrt Kunststoffgeschichte

Der Kunststoff-Museums-Verein e. V. feiert 2026 sein 40-jähriges Bestehen. Seine Sammlung dokumentiert die technische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung eines Werkstoffs, der wie kaum ein anderer die moderne Welt geprägt hat.

Kunststoffe stehen für Innovation, Gestaltungskraft und gesellschaftlichen Wandel. Seit mehr als 150 Jahren prägen polymere Werkstoffe Produkte, Produktionsverfahren, Design und Alltag. Diese Entwicklung zu dokumentieren, wissenschaftlich zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen, ist seit vier Jahrzehnten die Aufgabe des Kunststoff-Museums-Vereins e. V. (KMV), des Trägers des Deutschen Kunststoffmuseums.

Gegründet wurde der Verein 1986 von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Kunststoffindustrie und Anwenderkreisen. Ihr Ziel war es, die wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der damals noch jungen Werkstoffklasse Kunststoffe sichtbar zu machen und bedeutende Zeugnisse ihrer Geschichte für kommende Generationen zu bewahren.

Die Verbindung zur K, der weltweit wichtigsten Fachmesse für Kunststoff und Kautschuk, ist dabei historisch gewachsen. Bereits im Gründungsjahr 1986 machte der Kunststoff-Museums-Verein auf der Kunststoff-Messe in Düsseldorf mit historischen Objekten auf sich aufmerksam und ist seitdem regelmäßig auf der K in Düsseldorf vertreten.

Heute umfasst die Sammlung des Deutschen Kunststoffmuseums rund 22.000 Objekte. Sie reicht von frühen Exponaten aus Celluloid und Bakelit über Haushaltswaren, Elektrogeräte, Telefone, Kameras, Spielzeug, Möbel und Designklassiker bis hin zu Materialproben, Mustersammlungen, Dokumenten und Zeugnissen der Kunststoffverarbeitung. Damit ist in vier Jahrzehnten eine der bedeutendsten Sammlungen zur Kunststoffgeschichte in Deutschland entstanden.

Gerade die alltäglichen Dinge machen den besonderen Wert der Sammlung aus. Sie erzählen von technischen Möglichkeiten ihrer Zeit, von industriellen Entwicklungen, von Konsumkultur und von veränderten Lebenswelten. Kunststoffgeschichte ist damit weit mehr als Werkstoffgeschichte: Sie ist zugleich Industrie-, Design-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte.

Der ursprüngliche Plan eines eigenen Museumshauses konnte nur zeitweise realisiert werden: Von 1998 bis 2002 war das Deutsche Kunststoffmuseum im NRW-Forum in Düsseldorf präsent. Anschließend entwickelte der KMV neue Wege, seine Sammlung zugänglich zu machen. Wanderausstellungen, thematische Präsentationen, Leihgaben und digitale Angebote tragen die Kunststoffgeschichte seither an unterschiedliche Orte und zu unterschiedlichen Zielgruppen.

Seit 2017 befindet sich der Sammlungsbestand als Dauerleihgabe im Peter-Behrens-Bau des LVR-Industriemuseums in Oberhausen. Dort stehen professionelle Depotbedingungen und museale Infrastruktur zur Verfügung. Der Kunststoff-Museums-Verein bleibt Eigentümer der Sammlung und treibt ihre fachliche Weiterentwicklung weiter voran.

Eine wachsende Bedeutung hat das Virtuelle Museum: Mehr als 7.000 Objekte können bereits online recherchiert werden. Damit wird die Sammlung unabhängig von Ort und Öffnungszeiten für Fachleute, Forschende, Unternehmen und alle an Kunststoffgeschichte Interessierten zugänglich.

Das 40-jährige Bestehen des Kunststoff-Museums-Vereins ist deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick. Es ist auch eine Einladung an Unternehmen, Verbände, Wissenschaft, Sammlerinnen und Sammler sowie Privatpersonen, das technische und kulturelle Erbe der Kunststoffbranche weiter gemeinsam zu sichern. Denn mit jeder neuen Werkstoffgeneration, jeder Verfahrensinnovation und jedem Produkt wächst auch die Geschichte, die bewahrt werden sollte.

Weitere Informationen und Virtuelles Museum:
www.deutsches-kunststoff-museum.de

Spielzeugroboter “Mr. Machine”, 1961 – 1977, Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS),
Polyethylen (PE), Ideal Toy Corporation, USA K-1992-00331, K-2016-00791
Foto: LVR Industriemuseum, Jürgen Hoffmann