Composites Germany – Ergebnis der 26. Composites-Markterhebung liegt vor

▪ Unterschiedliche Bewertung der aktuellen Geschäftslage
▪ Zukunftserwartungen mit nur geringer Zuversicht
▪ Investitionsklima trübt sich ein
▪ Erwartungen an Anwendungsindustrien unterschiedlich
▪ Wachstumstreiber mit leichten Bewegungen
▪ Composites-Index mit negativer Tendenz

Zum 26. Mal hat Composites Germany (www.composites-germany.de) aktuelle Kenn-
zahlen zum Markt für faserverstärkte Kunststoffe erhoben. Befragt wurden alle Mitglieds-
unternehmen der Trägerverbände von Composites Germany: AVK und Composites Uni-
ted sowie des assoziierten Partners VDMA.

Um die problemlose Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Erhebungen zu gewährleis-
ten, wurden auch in diesem Halbjahr keine grundlegenden Änderungen bei der Befra-
gung durchgeführt. Erhoben wurden erneut überwiegend qualitative Daten in Bezug auf
die aktuelle und zukünftige Marktentwicklung.

UNTERSCHIEDLICHE BEWERTUNG DER AKTUELLEN GESCHÄFTSLAGE
Nachdem sich im Rahmen der letzten Befragung bei der Einschätzung der generellen
Geschäftslage ein positiver Trend für alle erhoben Regionen feststellen ließ, verschlech-
tert sich dieses Bild in der aktuellen Erhebung erneut.

Die Bewertung der aktuellen generellen Geschäftslage für Europa und Deutschland kippt
ins Negative. Nur die Bewertung der weltweiten Lage bleibt verhalten optimistisch. Be-
lastend für die aktuelle Bewertung der Geschäftslage kommt hinzu, dass bei den betei-
ligten Unternehmen die Situation des eigenen Unternehmens nochmals kritischer gese-
hen wird und dass sich hier eine negative Bewertung über alle Regionen zeigt.

Die vorliegenden Einschätzungen decken sich mit den aktuellen Erhebungen zur gene-
rellen Composites-Marktentwicklung in Europa. Das Marktvolumen ist in Folge der
Corona-Krise um etwa 20 % seit 2021 zurück gegangen. Die Gründe hierfür sind vielfäl-
tig. Zum einen ist eine zunehmende Konkurrenz aus dem nicht-europäischen Ausland,
vor allem Asien und den USA festzustellen. Außerdem gehen vormals wichtige Export-
märkte zunehmend verloren, was zum einen auf Schwächen der jeweiligen Inlands-
märkte, vor allem aber auf eine zunehmende Bedienung dieser Märkte durch einheimi-
sche Produktion zurückzuführen ist. Handelshemmnisse, wie beispielsweise die aktuelle
Zollpolitik in den USA, belasten die Situation zusätzlich. Flankiert werden diese Heraus-
forderungen durch eine generelle Schwäche des Industriesektors mit einer deutlichen
Abwanderungsbewegung der industriellen Produktion aus Europa. Auch die anhalten-
den strukturellen Schwächen im Hauptanwendungsbereich Transport/Automotive zei-
gen deutliche Auswirkungen.

Bislang sind andere Anwendungsbereich, wie beispielsweise Bau-/Infrastruktur oder
Elektro/Elektronik nicht in der Lage, die Rückgänge abzufedern bzw. das Marktvolumen
zu stützen.
Die Composites-Industrie zeigt eine starke Abhängigkeit von der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung und diese ist derzeit in Europa und speziell Deutschland nicht zufriedenstel-
lend. Entsprechende, bereits eingeleitete Lösungsansätze, wie beispielsweise das von
der deutschen Bundesregierung eingesetzte Sondervermögen von 500 Milliarden Euro
über zwölf Jahre zur Modernisierung von Infrastruktur, Klimaschutz, Digitalisierung und
Bildung entfalten derzeit noch nicht die angestrebten positiven Effekte.

Es bleibt abzuwarten inwieweit es gelingt, über eine entsprechende industrielle Förde-
rung die derzeitige Abwärtsspirale zu stoppen. Es zeigen sich nach wie vor enorme
Chancen, die aber entlang der gesamten Wertschöpfungsketten und mit aktiver indust-
riepolitischer Unterstützung genutzt werden müssen.

ZUKUNFTSERWARTUNGEN MIT NUR GERINGER ZUVERSICHT
Derzeit scheinen viele der beteiligten Unternehmen nicht an eine kurzfristige Besserung der
Situation vor allem in Europa/Deutschland zu glauben. Die entsprechenden Kennwerte zeigen
nach unten. Im Gegensatz dazu gehen die Befragten von einer Verbesserung der weltweiten
Situation aus. Auch hier muss jedoch klar herausgestellt werden, dass nur rund
jeder fünfte von einer Verbesserung ausgeht. Fast 80 % erwarten ein Gleichbleiben oder eine
Verschlechterung der Geschäftslage.

INVESTITIONSKLIMA TRÜBT SICH EIN

Nachdem in der letzten Erhebung aus dem Sommer 2025 ein positiver Einfluss auf das Inves-
titionsklima festzustellen war, trüben sich die Indikatoren in der aktuellen Befragung ein. Es
zeigen sich sowohl hinsichtlich der Personalplanung als auch hinsichtlich der geplanten Ma-
schinen-/Anlageninvestitionen negative Verschiebungen.

Der Anteil der Befragten, die Maschineninvestitionen für wahrscheinlich halten oder planen,
nimmt von 50 % (Befragung 2. HJ 2025) auf 38 % ab.
Bei der Personalplanung zeigt sich ein gegensätzliches Bild. Zwar steigt der Anteil derjenigen,
die den Aufbau von Personal planen von 15 % auf 18 %, gleichzeitig steigt aber auch der Anteil
derjenigen, die von einem Personalabbau ausgehen von 27 % auf 36 %.
Insgesamt geht mehr als 1/3 der Befragten davon aus, ihr Engagement im Composites-Be-
reich zu erhöhen, wohingegen nur ein Bruchteil der Befragten von einem Rückgang des En-
gagements ausgeht.

ERWARTUNGEN AN ANWENDUNGSINDUSTRIEN UNTERSCHIEDLICH

Der Composites-Markt ist durch eine starke Heterogenität sowohl material- als auch anwen-
dungsseitig gekennzeichnet. In der Befragung wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Ein-
schätzung hinsichtlich der Marktentwicklung unterschiedlicher Kernbereiche zu geben. Die Er-
wartungen zeigen sich äußerst verschieden.

Der wichtigste Anwendungsbereich für Composites ist die Mobilität. Dieser Bereich befindet
sich derzeit in starken Umbrüchen bzw. steckt in Europa und Deutschland in einer massiven
Krise. Dies zeigt sich auch in der Befragung deutlich. Wachstum wird vor allem im Bereich
Luftfahrt sowie Bau-/Infrastruktur erwartet. Nach vier Jahren mit rückläufigem Volumen erwar-
ten die Experten vor allem für den Baubereich in Deutschland eine Erholung: „Die deutsche
Bauwirtschaft steht vor einer Trendwende: Nach Jahren rückläufiger Bauleistung dürfte das
Bauvolumen 2026 erstmals seit 2020 wieder wachsen. Laut der neuen Bauvolumenrechnung
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) dürfte das Bauvolumen im lau-
fenden Jahr um 1,7 Prozent und 2027 um 3,4 Prozent zunehmen.“

WACHSTUMSTREIBER MIT LEICHTEN BEWEGUNGEN

Bei den Wachstumsimpulsen zeigt sich in der aktuellen Befragung leichte Bewegung. Hinsicht-
lich ihrer Einschätzung, aus welchen Bereichen zukünftig die maßgeblichen Wachstumsim-
pulse für die Composites-Industrie kommen werden, verlieren CFK und GFK als Materialsys-
teme leicht an Einfluss, zugunsten eines materialübergreifenden Effektes. Composites als
Werkstoffgruppe generell werden zunehmend als Wachstumstreiber genannt.

Regional kommt es zu einer leichten Verschiebung. Die wesentlichen Wachstumsimpulse wer-
den zunehmend aus Asien erwartet. Deutschland verliert an Bedeutung, während Europa ge-
nerell leichten Zuspruch erhält. Die Bedeutung Nordamerikas als Wachstumstreiber bleibt auf
niedrigem Niveau nahezu gleich.

1 DIW Berlin: https://www.diw.de/de/diw_01.c.996818.de/kehrtwende_am_bau__die_zeichen_stehen_wie-
der_auf_wachstum.html

COMPOSITES-INDEX MIT NEGATIVER TENDENZ

Nach einem positiven Zeichen im Rahmen der letzten Befragung, dreht der Composites-
Index aktuell erneut in vielen Bereichen ins Negative. Lediglich die Bewertung der zu-
künftigen generellen Geschäftslage bleibt leicht optimistisch.

Composites verfügen generell über ein exzellentes Eigenschaftsniveau, was für deren
zunehmende Verwendung in zahlreichen Anwendungssegmenten spricht. Leichtbaumö-
glichkeiten, Korrosionsbeständigkeit, Designfreiheit und hervorragende Werte in Bezug
auf Nachhaltigkeit sind nur einige Beispiele, die für deren Einsatz sprechen. Bei der der-
zeitig negativen wirtschaftlichen und vor allem industriellen Entwicklung, deren sich Eu-
ropa gegenübergestellt sieht, wird es für den europäischen Composites-Markt zuneh-
mend schwierig, sich zu behaupten.

Es bleibt abzuwarten, ob es gelingen wird, hier eine generelle Trendumkehr zu errei-
chen. Politisch werden derzeit zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der deutschen/eu-
ropäischen Wirtschaft unternommen. (Finanzierungs-)Ideen und Vorhaben müssen
dann aber auch in die Umsetzung kommen. Vor allem der Bau-/Infrastrukturbereich

könnte maßgebliche Impulse durch das deutsche Wachstumspaket erhalten. Nur ge-
meinsam wird es möglich sein, den Wirtschafts-/Industriestandort Deutschland zu erhal-
ten und erneut zu stärken. Für Composites als Materialgruppe generell zeigen sich, auf-
grund des speziellen Eigenschaftsportfolios, nach wie vor sehr gute Chancen zum Aus-
bau der Marktposition in neuen, aber auch bestehenden Märkten. Die Abhängigkeit von
gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen jedoch bleibt bestehen.
Es gilt nun über Innovationen neue Marktfelder zu erschließen, Chancen konsequent zu
nutzen und gemeinsam daran zu arbeiten, Composites weiter in bestehenden Märkten
zu implementieren. Dies kann gemeinsam oftmals besser gelingen als allein. Composi-
tes Germany bietet mit seinem hervorragenden Netzwerk vielfältige Möglichkeiten.

Die nächste Composites-Markterhebung erscheint im Juli 2026.