Für einen kleinen CO2-Fußabdruck – mit höchster Kosteneffizienz

WITTMANN Gruppe auf der Fakuma 2026

Leicht, materialsparend, energieeffizient – und aus Post-Consumer-Rezyklat (PCR). Genau solche Anwendungen bringen die Kreislaufwirtschaft nach vorne. Wie sich Nachhaltigkeit mit einer hohen Wirtschaftlichkeit vereinen lässt, demonstriert die WITTMANN Gruppe auf der Fakuma 2026 vom 12. bis 16. Oktober in Friedrichshafen mit der Herstellung von stapelbaren Pflanzgefäßen. Die Produktionszelle spart Platz, Energie und Material ein und reduziert damit die Stückkosten. Smart Choices, Smart Savings – so heißt es bei WITTMANN auf der Fakuma 2026.

Die SmartPower Spritzgießmaschine mit 300 Tonnen Schließkraft arbeitet mit einem Werkzeug von Schicktanz und der Cellmould Schaumspritzgießtechnologie. Verarbeitet wird ein Recycling-Polypropylen von Borouge, das aus Post-Consumer-Sammlungen stammt. Auf diese Weise punkten die Pflanzgefäße, die über das Förderband die integrierte Produktionszelle verlassen, mit einem besonders kleinen CO2-Fußabdruck. Hierzu tragen die fossilfreie Rohstoffquelle und die sehr hohe Energieeffizienz der servohydraulischen SmartPower Spritzgießmaschine ebenso bei wie das physikalische Schäumen mittels Cellmould. Im Cellmould Verfahren von WITTMANN wird beim Plastifizieren Stickstoffgas in die Kunststoffschmelze injiziert, das beim Einspritzen der Schmelze in die Kavität entweicht. Auf diese Weise entsteht eine mikrozelluläre Schaumstruktur im Inneren des Bauteils. Es wird weniger Rohmaterial benötigt und das Bauteilgewicht sinkt. In vielen Fällen weisen im Schaumspritzguss produzierte Bauteile bessere mechanische Eigenschaften auf als kompakt produzierte Teile. Da beim Schaumspritzgießen gegenüber dem Kompaktspritzguss ein geringerer Einspritzdruck ausreicht und zudem die Schließkraft reduziert werden kann, sinkt der Energieaufwand.

Ein weiteres Augenmerk bei der Entwicklung der Cellmould Technologie lag auf der sehr einfachen Anwendbarkeit. So lässt sich der gesamte Prozess über die B8X Steuerung der Spritzgießmaschine bedienen. Der Anwender bleibt innerhalb der gewohnten WITTMANN Steuerungslogik, die ein sehr intuitives Arbeiten unterstützt. 

PCR sicher im Schaumspritzguss verarbeiten

In umfangreichen Versuchsreihen konnte WITTMANN zeigen, dass sich recycelte Kunststoffmaterialien ebenso effizient und stabil im Cellmould Verfahren verarbeiten lassen wie Neuware. Die Herstellung der Pflanzgefäße auf der Fakuma 2026 belegt die hohe Präzision und Maßhaltigkeit beim Verarbeiten des Recycling-PPs. Die hohe Abformpräzision ist hier besonders wichtig, damit sich die Pflanzgefäße zum Gestalten vertikaler Gartenelemente stabil stapeln lassen. Geometrische Abweichungen würden schnell zu Ausschuss führen. Da sich das Stickstoffgas beim Ausdehnen der Schmelze innerhalb der Kavität quasi explosionsartig verteilt, werden mittels Cellmould auch geometrisch anspruchsvolle Formen mit sehr kleinen Wanddickenbereichen und Hinterschnitten zuverlässig gefüllt.

WITTMANN hat gezielt für das physikalische Schäumen eine eigene Plastifiziereinheit entwickelt. Die patentierte Cellmould 3-Zonen-Schnecke wird für alle Anwendungen im eigenen Haus produziert. Sie eignet sich für ein breites Spektrum an Kunststoffmaterialien und führt auch bei schwer homogenisierbaren Polymeren zu einer reproduzierbaren Bauteilqualität. Die einzelnen Zonen der Schnecke lassen sich unabhängig voneinander austauschen, was Instandhaltungsarbeiten einfacher und kostengünstiger macht.

Einen weiteren Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen leistet N2easy. Die Stickstoffgaserzeugungsanlagen aus der eigenen Entwicklung und Produktion von WITTMANN gewinnen den Stickstoff aus der Umgebungsluft und können das Gas bei Bedarf mehreren Verbrauchern gleichzeitig zur Verfügung stellen. N2easy rechnet sich bereits ab einem Stickstoffverbrauch von einer Gasflasche am Tag. Damit ersetzt die WITTMANN Entwicklung die aufwändige N2-Logistik über die Straße. 

Inline-Thermografie bestätigt Qualitätskonstanz

Die Pflanzgefäße werden von einem WITTMANN Linearroboter vom Typ WX142 entformt, einer vollautomatisierten 100-Prozent-Qualitätsprüfung zugeführt und die Gutteile auf dem Förderband abgelegt. Die Qualitätskontrolle erfolgt mittels Inline-Thermografie, die die Infrarotstrahlung der Bauteile in Wärmebilder umwandelt. Wurde die Thermografie lange Zeit zur manuellen Qualitätskontrolle eingesetzt, erlauben es die moderne Kameratechnik und Bildverarbeitung die thermografische Bauteilprüfung inline in den Prozess zu integrieren. Die
Infrarotkamera ist hierfür auf dem Z-Träger des Roboters montiert. Jedes aufgenommene Bild wird von der Software mit dem hinterlegten Referenzbild verglichen. Von den Sollvorgaben abweichende Bauteile werden über eine Qualitätsweiche ausgeschleust. Das Wärmebild gibt Auskunft sowohl über die Oberflächenhomogenität als auch die internen Strukturen. Auf diese Weise lässt sich die Qualität des Schäumprozesses beurteilen.

Auf sehr kleiner Stellfläche

Ausgeführt als FlexCell primus, bilden Roboter, Förderband und Schutzeinhausung eine feste Einheit. Die von WITTMANN entwickelten FlexCell Automatisierungszellen basieren auf einem standardisierten Konzept und sind dennoch sehr flexibel. Alle Automatisierungskomponenten haben in der FlexCell ihren festen Platz und sind sicher umschlossen. Die Zellen sind modular erweiterbar.

Da die Zellen direkt an die Spritzgießmaschine andocken und die Produktion bei offener Maschinenschutztür erlauben, kann die Automatisierung besonders nah an das Werkzeug heranrücken und damit den Platzbedarf der gesamten Arbeitszelle reduzieren. Die Automatisierungszellen FlexCell sind in drei Ausführungen erhältlich. In der hier präsentierten Primus Ausführung ist die Schutzeinhausung auf dem Förderband montiert und benötigt keine separate Stellfläche. Sie lässt sich mitsamt dem Förderband sehr einfach zur Seite wegschieben und bietet jederzeit freien Zugang zum Werkzeugraum.

Aufgrund des standardisierten Aufbaus zeichnen sich die FlexCell Automatisierungszellen durch kurze Lieferzeiten und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Sie sind kompatibel mit Spritzgießmaschinen aller Marken und können in bestehenden Produktionen nachgerüstet werden.

WITTMANN auf der Fakuma 2026: Halle B1, Stand 1204