Maschinenbaufirmen in China zeichnen ein trübes Bild der Lage

  • Schlechteste Stimmung seit Beginn der VDMA-Umfragen im Jahr 2016
  • Mangelnde Auftragslage verschärft sich
  • Nur 10 Prozent der Unternehmen in China sehen positive Geschäftslage
  • Umsatzstagnation für 2023 erwartet, leichte Besserung im kommenden Jahr

Die aktuelle Geschäftsklimaumfrage des VDMA unter seinen in China aktiven Mitgliedsunternehmen zeigt eine deutliche Belastung der Geschäfte vor Ort. War die Stimmung der Unternehmen im Frühjahr noch ausgeglichen, so hat sich die Situation nun merklich verdüstert: Nur noch 10 Prozent der befragten Firmen beurteilen die derzeitige Geschäftslage als gut. Fast die Hälfte, 47 Prozent, beschreiben ihre Situation als zufriedenstellend und 43 Prozent als schlecht, was zu einer stark negativen Gesamtbewertung von minus 33 Prozentpunkten führt. Zum Vergleich: Im Frühjahr betrug dieser Wert minus 12 Prozentpunkte und vor einem Jahr, während strikter Covid-Restriktionen in China, lag er bei null.

Obwohl bestimmte Sektoren wie Kunststoff- und Gummimaschinen, Textilmaschinen, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Landmaschinen leicht über dem Maschinenbau-Durchschnitt liegen, ist die Bilanz der positiven und negativen Antworten auch in diesen Bereichen negativ.  Die Nachfrage in China für Roboter und Automationslösungen war in den vergangen drei Jahren sehr hoch, aber auch hier hat inzwischen eine deutliche Abkühlung stattgefunden. „Das ist die schlechteste Stimmung, die wir seit dem Beginn der Umfrage im Jahr 2016 verzeichnet haben. Das Jahr 2023, eigentlich ein Jahr der Öffnung und Normalisierung, stellt unsere vor Ort ansässigen Unternehmen vor enorme Herausforderungen“, erklärt Claudia Barkowsky, Geschäftsführerin des VDMA in China.

Geringe Aussicht auf Besserung in den nächsten sechs Monaten
Die Aussichten für die nächsten sechs Monate bleiben trüb. Nur 30 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung, während die Hälfte von einer unveränderten und 20 Prozent sogar von einer sich verschlechternden Geschäftslage ausgehen. „Der Immobilienmarkt, bis vor zwei Jahren noch einer der Haupttreiber des Wachstums, zeigt bis heute keine signifikante Erholung. Zudem stagnieren die Exporte, der lokale Konsum verhält sich zurückhaltend und auch die ausländischen Investitionen lassen nach. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis wir hier eine spürbare Besserung der Geschäftssituation erleben“, sagt Barkowsky.

Kapazitätsauslastung auf neuem Tiefstand
Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Lediglich 8 Prozent berichten von einer überdurchschnittlichen Auslastung, 44 Prozent befinden sich im normalen Bereich und 48 Prozent liegen unter dem normalen Wert.

Bremsfaktor Auftragsmangel
Der Mangel an Aufträgen ist ein zentrales Problem für viele Unternehmen: 38 Prozent sehen ihn als den primären Bremsfaktor. Andere Herausforderungen, wie Rohstoffmangel, Fachkräfteknappheit oder Einschränkungen durch Local-Content-Vorschriften scheinen aktuell nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) bewerten ihren aktuellen Auftragsbestand als unterdurchschnittlich, lediglich 11 Prozent verzeichnen überdurchschnittliche Werte.

Hinsichtlich der Erwartungen für die kommenden drei Monate herrscht ein ausbalanciertes Bild, jeweils 26 Prozent der Befragten prognostizieren eine Zunahme bzw. Abnahme des Gesamtauftragsvolumens. 48 Prozent erwarten keine Veränderungen. „Dies verdeutlicht die Volatilität des Marktes und die gegenwärtige Unsicherheit der Unternehmen. Es gibt Bewegung und alle sind beschäftigt mit Messen, Besuchern aus dem Headquarter oder mit Kundenbesuchen. Aber nichts läuft wirklich gut, was Hoffnung machen könnte“, fügt Barkowsky hinzu.

Die Daten zu den Aufträgen aus dem Ausland zeigen eine etwas positivere Tendenz mit 28 Prozent der Unternehmen, die mit überdurchschnittlichen Zahlen rechnen, was auf Vertrauen in die Nachfrage ausländischer Märkte schließen lässt. Aber auch hier rechnet jeder Zweite (50 Prozent) mit einer stagnierenden Entwicklung ohne bedeutendes Wachstum, während 22 Prozent eine Verschlechterung voraussehen.

Gesamtausblick: Vorsichtiger Optimismus für die Zukunft
Nach vorn geblickt halten sich die optimistischen Erwartungen in Grenzen. Die VDMA-Mitgliedsunternehmen in China rechnen für 2023 im Durchschnitt mit stagnierenden Umsätzen vor Ort. Für das Jahr 2024 sieht es etwas besser aus, es wird ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4 Prozent erwartet. Langfristiger Optimismus zeigt sich in den Erwartungen für die nächsten zwei bis drei Jahre: 49 Prozent der Befragten erwarten Wachstum, 38 Prozent rechnen mit Stagnation und nur 13 Prozent befürchten einen weiteren Rückgang. Diese Prognosen deuten auf eine gewisse Zuversicht hinsichtlich der mittel- bis langfristigen Entwicklung des Marktes hin. Trotz der aktuellen Herausforderungen besteht die Hoffnung, dass China ein Wachstumsmarkt bleibt.