Die Lieferkette für Polyolefine, dem wichtigsten Produkt für die Produktion von Kunststoffverpackungen, ist leer. Bis zu 25 Prozent der Menge, die die Unternehmen brauchen, sind aktuell nicht bzw. zeitlich sehr verzögert verfügbar.
Auslöser sind tiefgreifende Verwerfungen in der globalen Chemieproduktion. Die Infrastruktur für die Herstellung von Naphta, Ethylen und Propylen – den Vorprodukten für PE- und PP-Kunststoffe – wurde durch den Krieg im Iran teilweise zerstört. Besonders stark betroffen ist Asien. Doch die Folgen reichen weit darüber hinaus: Weil die asiatischen Produzenten jetzt auf den amerikanischen und europäischen Markt für Kunststoff-Vorprodukte zugreifen, werden diese auch hier knapp. Die Preise gehen nach oben.
Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen. In sechs bis acht Wochen erwarten wir ein Verfügbarkeitsproblem bei den Vorprodukten für PET-Kunststoff. Diese werden überwiegend aus Asien bezogen – aber dort kommt nichts mehr an. Insgesamt zeichnet sich eine strukturelle Entwicklung ab: Wir sehen eine globale Verknappung für Vorprodukte der chemischen Industrie – das wird zur Unterversorgung führen.
Für unsere Branche hat das unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen. Die Blockade führt zu enormen Kostensteigerungen auf Verpackungshersteller-Seite, auch getrieben durch hohe Energiepreise. Hinzu kommen steigende Logistikkosten: Die Transportkosten sind um 20 Prozent gestiegen. Die Dynamik ist beispiellos: Die Preise sind in einer Größenordnung und Geschwindigkeit gestiegen, die über alles hinausgeht, was wir bislang gesehen haben.
Die Zahlen verdeutlichen den Druck:
Der Preis für PET liegt inzwischen bei rund 1.400 bis 1.600 Euro pro Tonne – ein Anstieg von fast 50 Prozent.
Polyolefine kosten mit bis zu 2.600 Euro pro Tonne etwa doppelt so viel wie zuvor.
Die Wertschöpfung liegt nur in 20 Prozent des Verkaufspreises. Eine 80-prozentige Verteuerung des Verpackungsmaterials aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise bedeutet, dass eine Verpackung rein rechnerisch über 60 Prozent teurer werden kann. Der Materialanteil ist hoch und variiert je nach Verpackungstyp zwischen 40 und 80%, sprich die aktuellen Materialpreissteigerungen verteuern Verpackungen signifikant!
Anspannung in der Wertschöpfungskette
Besonders stark betroffen sind auch angrenzende Segmente wie die Etikettenindustrie. Selbstklebeetiketten bestehen aus mehrlagigen, erdölbasierten Materialien – Folien, Farben und Lacke stehen gleichermaßen unter Preisdruck. Gleichzeitig verschärfen sich die Engpässe bei Spezialmaterialien: Während Standard-Polymere noch verfügbar sind, fehlen bereits spezifische Kunststoffe, etwa für Verschlüsse oder Anwendungen in der Pharmaindustrie.
Entlang der Wertschöpfungskette führen die Preissteigerungen zu zunehmenden Konflikten. Die aktuellen Umfragen der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zeigen, dass es den meisten Verpackungsherstellern nicht gelingt, die gestiegenen Kosten vollständig an die Kunden, d.h. die Abfüller, weiterzureichen, weil deren Kunden, insbesondere der Handel oftmals blockieren.
Vor diesem Hintergrund fordern wir politische Unterstützung. Die Politik könnte einen runden Tisch einberufen, um alle Beteiligten zusammenzubringen. Zudem sei ein Überbrückungsfonds denkbar, damit die Unternehmen vorübergehend keine Zinsen zahlen müssen.
Langfristig steht die Branche vor einer grundlegenden Herausforderung. Wir müssen akzeptieren, dass diese Krise uns härter treffen wird als alles, was wir in der Vergangenheit hatten. Grundsätzlich waren während Corona und dem Krieg in der Ukraine die Supply Chain und Produktionsanlagen intakt und verfügbar. In der aktuellen Krise ist aufgrund der geschädigten Produktionsanalgen für die Vorprodukte und der unterbrochenen Supply Chain ist die Schädigung größer und länger und wird zu einer globalen Unterversorgung führen.
Verschärft wird die Lage durch strukturelle Zahlungsziele: Die Verpackungshersteller bezahlen ihre Rohstofflieferanten meist innerhalb von 30 Tagen. Ihre Kunden bezahlen die Verpackungsprodukte innerhalb von 90 bis 120 Tagen. Für die Verpackungshersteller ergibt sich eine Diskrepanz zwischen den Zahlungszielen ihrer Kunden in Kombination mit den aktuellen Kostensteigerungen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen drohen damit schnell, innerhalb von zwei bis drei Monaten, in eine Cashflow-Falle zu geraten. Die Gefahr besteht, dass viele Mittelständler im Sommer zahlungsunfähig werden.
Gleichzeitig liegt in dieser Entwicklung auch eine strategische Chance
Die aktuelle Krise macht die Verwundbarkeit linearer Rohstoffabhängigkeiten sichtbar und erhöht den Handlungsdruck, tragfähige Kreislaufstrukturen schneller aufzubauen. Eine konsequent skalierte Kreislaufwirtschaft kann mittelfristig einen stabileren Zugang zu Rohstoffen ermöglichen, Preisspitzen abfedern und die Abhängigkeit von geopolitisch sensiblen Lieferketten reduzieren. Europa und insbesondere Deutschland haben die technologischen, regulatorischen und industriellen Voraussetzungen, um hier eine führende Rolle einzunehmen.











