Composites Germany – Ergebnis der 27. Composites-Markterhebung liegt vor

▪ Optimistischere Bewertung der aktuellen Geschäftslage
▪ Zukunftserwartungen geprägt von Zuversicht
▪ Investitionsklima hellt sich auf
▪ Erwartungen an Anwendungsindustrien unterschiedlich
▪ Wachstumstreiber mit leichten Bewegungen
▪ Composites-Index mit positiver Tendenz

Zum 27. Mal hat Composites Germany (www.composites-germany.de) aktuelle Kenn-
zahlen zum Markt für faserverstärkte Kunststoffe erhoben. Befragt wurden alle Mitglieds-
unternehmen der Trägerverbände von Composites Germany: AVK und Composites Uni-
ted sowie des assoziierten Partners VDMA.

Um die problemlose Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Erhebungen zu gewährleis-
ten, wurden auch in diesem Halbjahr keine grundlegenden Änderungen bei der Befra-
gung durchgeführt. Erhoben wurden erneut überwiegend qualitative Daten in Bezug auf
die aktuelle und zukünftige Marktentwicklung.

OPTIMISTISCHERE BEWERTUNG DER AKTUELLEN GESCHÄFTSLAGE
Nachdem sich im Rahmen der letzten Befragung bei der Einschätzung der generellen
Geschäftslage ein gegensätzlicher Trend für die erhobenen Regionen feststellen ließ,
verbessert sich die Einschätzung in der aktuellen Erhebung für alle Regionen (Deutsch-
land, Europa, Welt).

Besonders auffällig ist die starke Zunahme der Bewertung der generellen Geschäftslage
für Europa, wohingegen die Einschätzung für Deutschland und weltweit nur leicht zu-
nimmt. Unterstützt wird diese Tendenz durch die Bewertung der aktuellen Geschäfts-
lage für das eigene Unternehmen. Auch hier ist eine positivere Bewertung für alle Regi-
onen feststellbar.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Herausforderungen ist diese Einschätzung ein po-
sitives Signal aus der Branche. Insgesamt ist das Produktionsvolumen in Europa weiter-
hin rückläufig. Das Marktvolumen ist in Folge der Corona-Krise um etwa 25 % seit 2021
zurück gegangen. Der europäische Anteil an der weltweiten Produktionsmenge ist, auf-
grund eines zunehmend wachsenden Weltmarktes, weiterhin rückläufig. Die Gründe
hierfür sind vielfältig und haben sich seit der letzten Erhebung nicht grundlegend geän-
dert. Zum einen ist eine zunehmende Konkurrenz aus dem nicht-europäischen Ausland,
vor allem Asien und den USA, festzustellen. Außerdem gehen vormals wichtige Export-
märkte zunehmend verloren, was zum einen auf Schwächen der jeweiligen Inlands-
märkte, vor allem aber auf eine zunehmende Bedienung dieser Märkte durch einheimi-
sche Produktion zurückzuführen ist. Handelshemmnisse, wie beispielsweise die aktuelle
Zollpolitik in den USA, belasten die Situation zusätzlich. Flankiert werden diese Heraus-
forderungen durch eine generelle Schwäche des Industriesektors mit einer deutlichen
Abwanderungsbewegung der industriellen Produktion aus Europa. Auch die anhalten-
den strukturellen Schwächen im Hauptanwendungsbereich Transport/Automotive zei-
gen deutliche Auswirkungen.

Die nun positivere Einschätzung der Marktsituation durch die beteiligten Unternehmen
scheint ein Indiz dafür zu sein, dass sich mit der derzeitigen strukturellen Umstellung
auch zahlreiche neue Chancen zeigen, die Unternehmen auch in der Lage sind zu nut-
zen. Für die Composites-Industrie neben dem Transportbereich wichtige Industrieberei-
che, wie beispielsweise Bau-/Infrastruktur oder Elektro/Elektronik, entwickeln sich der-
zeit nach Durchschreiten einer Talsohle wieder positiv und die derzeitigen Prognosen
bleiben optimistisch.

ZUKUNFTSERWARTUNGEN GEPRÄGT VON ZUVERSICHT
Dieser Einschätzung folgend entwickelt sich der Index für die Erwartung an die zukünftige
generelle Geschäftslage positiv. Die entsprechenden Kennwerte zeigen für die drei erfassten
Regionen deutlich nach oben. Hier muss jedoch klar herausgestellt werden, dass
nur rund jeder vierte bis fünfte der Befragten von einer Verbesserung ausgeht. Der nach wie
vor überwiegende Teil geht von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus.
Abbildung 3: Composites-Index – Bewertung zukünftige generelle Geschäftslage

INVESTITIONSKLIMA HELLT SICH AUF
Nachdem in der letzten Erhebung zu Beginn des Jahres ein deutliches Eintrüben der Investi-
tionsindikatoren feststellbar war, hellt sich das Bild in der aktuellen Erhebung deutlich auf. Es
zeigen sich sowohl hinsichtlich der Personalplanung als auch hinsichtlich der geplanten Ma-
schinen-/Anlageninvestitionen positive Verschiebungen.

So nimmt der Anteil der Befragten, die Maschineninvestitionen für wahrscheinlich halten oder
planen, von 38 % (Befragung 1. HJ 2026) auf 56 % zu.
Bei der Personalplanung zeigt sich ebenfalls ein positiver Trend. Der Anteil derjenigen, die den
Aufbau von Personal planen, steigt von 18 % auf 26 %, gleichzeitig sinkt der Anteil derjenigen,
die von einem Personalabbau ausgehen von 36 % auf 21 %.
Insgesamt geht etwa 1/3 der Befragten davon aus, ihr Engagement im Composites-Bereich zu
erhöhen, wohingegen nur 5 % der Befragten von einem Rückgang des Engagements ausge-
hen.

ERWARTUNGEN AN ANWENDUNGSINDUSTRIEN UNTERSCHIEDLICH
Der Composites-Markt ist durch eine starke Heterogenität sowohl material- als auch anwen-
dungsseitig gekennzeichnet. In der Befragung wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Ein-
schätzung hinsichtlich der Marktentwicklung unterschiedlicher Kernbereiche zu geben. Die Er-
wartungen zeigen sich äußerst verschieden.

Der wichtigste Anwendungsbereich für Composites ist die Mobilität und hier speziell der Auto-
mobilbereich. Dieser Bereich befindet sich derzeit in starken Umbrüchen bzw. steckt in Europa
und Deutschland in einer massiven Krise. Dies zeigt sich auch in der Befragung deutlich.
Wachstum wird vor allem in den Bereichen Luftfahrt, Bau-/Infrastruktur sowie Elektro/Elektrik
erwartet. Nach vier Jahren mit rückläufigem Volumen erwarten die Experten vor allem für den
Baubereich in Deutschland eine Erholung: „Die deutsche Bauwirtschaft steht vor einer Trend-
wende: Nach Jahren rückläufiger Bauleistung dürfte das Bauvolumen 2026 erstmals seit 2020
wieder wachsen. Laut der neuen Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirt-
schaftsforschung (DIW Berlin) dürfte das Bauvolumen im laufenden Jahr um 1,7 Prozent
und 2027 um 3,4 Prozent zunehmen.“1

WACHSTUMSTREIBER MIT LEICHTEN BEWEGUNGEN
Bei den Wachstumsimpulsen zeigt sich in der aktuellen Befragung erneut leichte Bewegung.
Hinsichtlich ihrer Einschätzung, aus welchen Bereichen zukünftig die maßgeblichen Wachs-
tumsimpulse für die Composites-Industrie kommen werden, gewinnen CFK und GFK als Ma-
terialsysteme an Einfluss, zugunsten eines materialübergreifenden Effektes.
Regional kommt es zu nur leichten Verschiebungen. Die wesentlichen Wachstumsimpulse
werden weiterhin aus Asien und der EU erwartet. Deutschland und Nordamerika als Wachs-
tumstreiber bleiben auf niedrigem Niveau nahezu gleich.

COMPOSITES-INDEX MIT POSITIVER TENDENZ
Nach einer negativen Tendenz im Rahmen der letzten Befragung, dreht der Composites-
Index aktuell in allen Bereichen ins Positive.
Composites verfügen generell über ein exzellentes Eigenschaftsniveau, was für deren
zunehmende Verwendung in zahlreichen Anwendungssegmenten spricht. Leichtbaumö-
glichkeiten, Korrosionsbeständigkeit, Designfreiheit und hervorragende Werte in Bezug
auf Nachhaltigkeit sind nur einige Beispiele, die für ihren Einsatz sprechen. Derzeit ist
vor allem in Deutschland, aber auch Europa in weiten Teilen eine negative wirtschaftliche
und vor allem industrielle Entwicklung feststellbar. Betroffen ist hier vor allem das verar-
beitende Gewerbe. Mit einer hohen Abhängigkeit von der gesamtwirtschaftlichen Ent-
wicklung ist auch der Composites-Bereich maßgeblich betroffen.

Die Produktion von Composites in Europa ist weiterhin rückläufig. Vielfach ist aber fest-
stellbar, dass die Nachfrage nach den Materialien nicht in gleichem Maße von Rückgän-
gen betroffen ist. Hier ist eine deutliche Abwanderung der Produktion feststellbar und die
Nachfrage wird zunehmend nicht aus Deutschland/Europa, sondern aus dem nicht-eu-
ropäischen Ausland gedeckt.

Es bleibt abzuwarten, ob es gelingen wird, eine generelle Trendumkehr zu erreichen.
Chacen werden hier vielfach in der Umstellung der Produktion von preissensitiven Com-
modities hin zu Spezialitäten und innovativen Materialien und Produkten gesehen. Ein
Preiswettbewerb scheint derzeit gegenüber der außereuropäischen Konkurrenz nicht zu
gewinnen zu sein. Dementsprechend müssen existierende Geschäftsmodelle teils radi-
kal überdacht werden.

Politisch werden derzeit zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der deutschen/europäi-
schen Wirtschaft unternommen. (Finanzierungs-)Ideen und Vorhaben müssen dann
aber auch in die Umsetzung kommen. Vor allem der Bau-/Infrastrukturbereich könnte
maßgebliche Impulse durch das deutsche Wachstumspaket erhalten. Nur gemeinsam
wird es möglich sein, den Wirtschafts-/Industriestandort Deutschland zu erhalten und
erneut zu stärken. Für Composites als Materialgruppe generell zeigen sich, aufgrund
des speziellen Eigenschaftsportfolios, nach wie vor sehr gute Chancen zum Ausbau der
Marktposition in neuen, aber auch bestehenden Märkten.

Es gilt nun über Innovationen neue Marktfelder zu erschließen, Chancen konsequent zu
nutzen und gemeinsam daran zu arbeiten, Composites weiter in bestehenden Märkten
zu implementieren. Dies kann gemeinsam oftmals besser gelingen als allein. Composi-
tes Germany bietet mit seinem hervorragenden Netzwerk vielfältige Möglichkeiten.
Die nächste Composites-Markterhebung erscheint im Januar 2027.