Kooperationen beschleunigen Kreislaufwirtschaft

• „Holy Grail 2.0“ verbessert die Abfallsortierung
• „Alliance to End Plastic Waste“ hat Fokus auf Asien
• Kennzeichnung von Produkten mit Rezyklaten nötig

Auf dem Weg zu einem höheren Reyklateinsatz in neuen Kunststoffprodukten kommt dem Abfall-Management eine immer größere Bedeutung zu. Denn eine ausreichend zur Verfügung stehende Menge an Kunststoffabfall ist die Voraussetzung für mehr Rezyklate. Grundsätzlich gilt: Je sortenreiner die Kunststoffabfälle sind, desto höhere Rezyklat-Qualitäten lassen sich herstellen. Und hochqualitatives Rezyklat ist entscheidend für das Ziel, immer mehr Produkte mi t Rezyklaten anzureichern. Zur Verbesserung der Sortierfähigkeit hat der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) zusammen mit zahlreichen Partnerunternehmen das Projekt „Holy Grail 2.0“ realisiert. „Wir haben schon vor Jahren gesehen, dass es die Notwendigkeit gibt, etwas gegen die niedrigen Recyclingraten zu tun“, sagte P&G-Recyclingspezialist Gian De Belder am Montag im VDMA-Pavillon. Am sechsten Messetag der K stand dort das Thema Abfall-Management im Vordergrund .

Bei „Holy Grail 2.0“ haben P&G, weitere Konsumgüterhersteller, Handelsunternehmen und Recycler ein digitales Wasserzeichen für Kunststoffverpackungen entwickelt. Das ist ein kaum sichtbarer Code, der mehrfach auf eine Kunststoffverpackung aufgebracht wird. Der Verbraucher sieht ihn nicht, aber ein spezieller Scanner in einer Sortieranlage erkennt ihn problemlos. Der Code gibt Auskunft darüber, aus welchem Material die Verpackung besteht und was darin verpackt wurde. Die hinterlegten Informationen können über die gesamte Wertschöpfungskette, also von der Herstellung bis zur Wiederverwertung genutzt werden. Der komplette Lebenszyklus einer Verpackung wird transparent gemacht. „Niedrige Recyclingquoten hängen neben der Infrastruktur und dem Einbezug der Haushalte vor allem auch mit einer schlechten Sortiereffizienz zusammen. Das wollen wir mit dem digitalen Wasserzeichen für Plastik ändern”, sagte De Belder.

Gemeinsam gegen Plastikverschmutzung der Umwelt
In der Wertschöpfungskette Kunststoff herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit, dass große Erfolge bei der Etablierung geschlossener Kreisläufe nur in Kooperationen möglich sind. Ein Glied der Kette allein vermag vergleichsweise wenig auszurichten. Diese Einsicht liegt auch der „Alliance to End Plastic Waste“ zugrunde. Aktuell sind 42 Unternehmen aus aller Welt daran beteiligt. „Unser Ziel ist es, das Problem der Kunststoffabfälle in der Umwelt zu lösen“, sagte Dr. Christine Bunte, Senior Manager Industry Advocacy & Environmental Policy bei BASF in einem Interview im VDMA-Pavillon. In den vier Bereichen Infrastruktur, Aufklärung, technische Innovationen und Sammelsysteme identifiziert die Allianz jeweils konkrete Projekte.
In den nächsten fünf Jahren werden die Mitgliedsunternehmen insgesamt 1,5 Milliarden Dollar dafür bereitstellen. Ein Projektbeispiel: die Etablierung eines Sammelsystems am Ganges in Indien. Der Ganges ist einer der am meisten verschmutzen Flüsse der Erde, der für einen großen Teil der Müllteppiche auf den Meeren verantwortlich ist. „Wir arbeiten dort mit einem Start-up zusammen, das entlang des Flusses ein Abfallsammelsystem einführt und eine Anlage aufbauen will, in der der Kunststoff in Dieseltreibstoff umgewandelt werden kann“, sagte Bunte. Wichtig sei es, mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten und sie auch am Ertrag teilhaben zu lassen. Bislang sind zwölf Projekte genehmigt, die weitaus meisten betreffen asiatische Länder. „Es macht Sinn, die Projekte dort zu realisieren, wo die Not am größten ist“, begründete Bunte diese Fokussierung.

Jeder kann etwas tun
Es müssen aber nicht immer globale Allianzen sein, auch einzelne Unternehmen können sich für die Kreislaufwirtschaft engagieren. SSI Schäfer, Hersteller von Lager- und Logistiksystemen sowie Abfalltechnik setzt schon länger Rezyklate in seinen Produkten ein. Aus Mülltonnen werden dort beispielsweise wieder Mülltonnen. SSI Schäfer verwendet Rezyklate aus werkstofflichem und aus chemischem Recycling. Kasim Mohamad, Product and Innovation Manager, bevorzugt aber Rezyklate, die depolymerisiert wurden. „Beim werkstofflichen Recycling verliert man über die Zeit an Qualität. Beim chemischen Recycling erhält man nach Zugabe entsprechender Additive eine Qualität, die der von Neuware durchaus entspricht“, sagte er.
Viele andere Firmen werden dem Beispiel von SSI Schäfer noch folgen müssen, wenn die Vorgaben des seit Januar geltenden neuen Verpackungsgesetzes erfüllt werden sollen. „Hier müssen wir weitere 250.000 bis knapp 300.000 Tonnen mehr Kunststoffe in stoffliche Anwendungen bringen“, sagte Michael Wiener, Geschäftsführer des Dualen Systems Deutschland (DSD). Diese große Aufgabe wäre leichter zu bewältigen, wenn der Verbraucher mithelfen könnte und bewusst ein Produkt kaufen würde, in dem Rezyklate verarbeitet wurden. „Wie soll der Verbraucher denn die Nachfrage anheizen. Er erkennt ja gar nicht, wo Rezyklate drin sind“, sagte Wiener und sprach sich für eine einheitliche Kennzeichnung solcher Produkte aus. „Der Verbraucher ist bei diesen Themen so sensibel wie nie zuvor. Er erwartet aber auch Orientierung. Die muss ihm über die Verpackung gegeben werden“, forderte Wiener.
Programm, Videoclips der Beiträge und weitere Informationen zum VDMA Circular Economy Forum auf der K 2019 siehe https://plastics.vdma.org

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