“Deutschland darf beim Nachwuchs seine Potenziale nicht verschwenden”

Investitionen in Bildung stärken den Standort

Investitionen in den Nachwuchs und seine Kompetenzen sind angesichts der demografischen Entwicklung und des zunehmenden Fachkräftemangels wichtiger denn je – trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage. Bildung und Qualifizierung sind eine zentrale Voraussetzung dafür, am Standort Deutschland langfristig Innovation, industrielle Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

“Deutschland braucht Investitionen in Infrastruktur, Innovation und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Doch diese Investitionen werden ihre Wirkung verfehlen, wenn uns die qualifizierten Menschen fehlen. Bildung, Qualifizierung und Fachkräftesicherung müssen deshalb Teil jeder Strategie zur Stärkung des Standorts Deutschland sein. Deutschland darf beim Nachwuchs seine Potenziale nicht verschwenden”, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Übergang von Schule in die Ausbildung verbessern
Der Handlungsdruck wächst: Aktuelle demografische Analysen zeigen, dass heute rund 6,6 Millionen Menschen kurz vor dem Renteneintritt stehen, während die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen lediglich knapp vier Millionen Menschen umfasst. Daraus ergibt sich eine demografische Lücke von rund 2,6 Millionen Menschen.

Gleichzeitig ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jede/r Zehnte der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland weder in Ausbildung, Studium oder in Beschäftigung. Dies ist ein klares Signal, vorhandene Potenziale konsequenter zu erschließen und die Übergänge von Schule in Ausbildung, Studium und Beruf weiter zu verbessern.

„Es darf nicht sein, dass sich unser Land mit solchen Zahlen abfindet. Diese jungen Menschen können einen wichtigen Beitrag zur Zukunft unseres Standorts leisten. Wir müssen die Übergänge von Schule in Ausbildung, Studium und Beruf weiter verbessern“, betont Rauen.

Fachkräftesicherung bleibt zentrale Herausforderung
In vielen Betrieben bleibt es eine strategische Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Wenn Potenziale junger Menschen ungenutzt bleiben, ist das nicht nur für die Betroffenen ein Verlust, sondern auch für einen Wirtschaftsstandort, der dringend auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen ist.

Gerade für den Maschinen- und Anlagenbau ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Rund ein Viertel der Beschäftigten im Maschinen- und Anlagenbau scheidet in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus. Gleichzeitig bleiben in wichtigen technischen Ausbildungsberufen zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt.

KI verändert die Anforderungen an die Qualifikation
Zudem erhöht auch die technologische Transformation den Handlungsdruck. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle grundlegend. Wer auch künftig zu den führenden Technologie- und Industriestandorten gehören will, muss deshalb nicht nur genügend Nachwuchs gewinnen, sondern diesen auch auf veränderte Kompetenzanforderungen vorbereiten. Laut der aktuellen VDMA-Ingenieurerhebung halten 49 Prozent der befragten Unternehmen die Vorbereitung von Ingenieurinnen und Ingenieuren auf den Umgang mit KI im Studium für unzureichend.

Die IMPULS-Stiftung des VDMA untersucht derzeit gemeinsam mit Unternehmen und Hochschulen, welche Auswirkungen Künstliche Intelligenz auf die Ingenieurausbildung haben wird und welche Kompetenzen stärker gefragt sein werden. Zudem engagiert sich der VDMA gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen und der Nachwuchsstiftung Maschinenbau seit vielen Jahren für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Dazu gehören die Nachwuchsinitiative TALENTMASCHINE, wie auch Angebote für die berufliche sowie akademische Bildung.

“Viele Unternehmen investieren auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiter in Ausbildung, Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung. Dieses Engagement verdient Anerkennung und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Bund und Länder müssen die Modernisierung von Bildung und Qualifizierung konsequent vorantreiben. Denn Investitionen in Nachwuchs sind Investitionen in die Zukunft unseres Industrie- und Technologiestandorts,” resümiert Rauen.